
Wiederansiedlung der Trollblume
Die gelbe Trollblume (Trollius europaeus) ist im Ostalbkreis heute fast ausschließlich in extensiv bewirtschafteten Schutzgebieten vertreten. Im August 2025 wurden durch den Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis (LEV) 3.100 halbjährige Setzlinge auf 14 Standorten ausgebracht, um die Art wieder zu etablieren.
von LEV Ostalbkreis erschienen am 14.01.2026Erste Beobachtungen zeigen eine direkte Korrelation zwischen Bodenfeuchte und Vitalität der Jungpflanzen. Die Projektkosten beliefen sich auf 7.340 € (2,50 € pro Pflanze). Ein Monitoring des Landschaftserhaltungsverbands Ostalbkreis prüft saisonal Überlebensraten und leitet adaptive Maßnahmen (z. B. Zusatzbewässerung, Zaun) ab.
Einleitung
Als Leitart der extensiv genutzten artenreichen Feuchtwiesen ist die Trollblume in ganz Mitteleuropa rückläufig. Sie selbst ist auf der Roten Liste BW sowie Roten Liste Deutschlands Kategorie 3, ihr Lebensraum, die Nass- und Feuchtwiesen, sogar in Kategorie 2 eingestuft. (Rote Liste der Biotoptypen (2021)). Maßgeblicher Grund für den Rückgang sind die Entwässerung und Intensivierung der ehemals meist einschürig genutzten Feuchtwiesen. Dazu fallen einige Standorte durch Verwaldung durch Nutzungsaufgabe respektive Aufforstung aus. Zusätzlich wird die Trollblume als präalpine Art durch die aktuellen Klimaveränderungen in ihrem Ausbreitungsareal zunehmende beschnitten. Im Ostalbkreis kommt die Trollblume auf Höhenlagen ab 400 m ü. NN vor. Fallstudien von Kowarsch & Poschlod (2022) bestätigen, dass die Trollblume auf Flächen mit unangepasster Bewirtschaftung zwar noch jahrelang vegetativ existieren kann, aber keine generative Vermehrung mehr stattfindet. Um der Art im Ostalbkreis die Chance zum Weiterbestehen zu bieten, wurden durch den LEV Ostalbkreis geeignete Standorte gesucht und auf diesen halbjährige Trollblumensetzlinge ausgepflanzt.
Ziel der Maßnahme ist es, die Trollblume auf geeigneten Flächen dauerhaft wiederanzusiedeln. Der LEV übernimmt zudem das Monitoring der Maßnahme, um die Entwicklung der Bestände zu überprüfen.
Material und Methoden
Da die Trollblume keine dauerhafte Samenbank aufbaut – die Samen sind nur wenige Monate keimfähig - und die Aussaat in bisherigen Versuchen seitens des LEV und in einem Privatversuch keinen Erfolg brachten, wurde beschlossen, vorgezogene Jungpflanzen auszusetzen. Die Pflanzen wurden zum Großteil von der Firma Rieger-Hofmann aus heimischem Saatgut herangezogen und als halbjährige Setzlinge im Auftrag des LEV Ostalbkreis ausgebracht. Ein kleinerer Teil entstammt zudem einem lokalen Projekt zur Vermehrung der Trollblume aus regional gesammeltem Samenmaterial, diese Exemplare waren bereits 1,5 Jahre alt. Als Kältekeimer sind die Samen auf einen Stratifizierungsreiz angewiesen. Zur Keimung werden dauerfeuchte Bedingungen benötigt.
Um den jungen Pflanzen die besten Startbedingungen zu bieten, wurde an den Pflanzstandorten per Bagger der Oberboden auf 10 cm Höhe abgezogen. Dieses Abplaggen soll den Konkurrenzdruck durch andere Pflanzen minimieren. Der Offenboden birgt durch die fehlende Vegetationsschicht allerdings eine erhöhte Austrocknungsgefahr, weshalb die Setzlinge während der trockenen Spätsommertage gegossen werden mussten. Übernommen wurde die Arbeit von örtlichen Landwirten und dem LEV-Team, genutzt wurde wo möglich Wasser aus Oberflächengewässern der Umgebung.
1Aufgrund der beachtlichen verfügbaren Stückzahl wurden 100 Exemplare je Pflanzquadrat und je 2-3 Quadrate je Standort gepflanzt, lediglich auf einem Standort kamen jeweils 50 Pflanzen auf die abgeplaggten Flächen. Um die Pflanzen in einem Raster von 25 x 25 cm auszupflanzen, ergab sich eine Flächengröße von 3 x 3 m. Somit ergeben sich im Ostalbkreis 14 Standorte, 12 mit je zwei Quadraten, zwei Standorte mit jeweils drei Quadraten, in Summe 30 Pflanzquadrate. Als Art höherer Lagen steigt die Trollblume im Ostalbkreis bis auf knapp unter 400 m ü. NN herab. Die ausgewählten Pflanzstandorte liegen auf Höhen zwischen 389 m und 678 m, wobei der Großteil zwischen 430 m und 480 m liegt.
Gepflanzt wurde sowohl auf Weide- als auch auf Mahdflächen, die sich durch ihre Wasserverfügbarkeit und extensive Nutzung besonders eignen. Unter den Standorten finden sich auch zwei ehemalige Trollblumenstandorte.

Ergebnisse und Diskussion
Als erste Beobachtung lässt sich ein Zusammenhang mit der Feuchtigkeit der Fläche und dem Vitalzustand der Trollblumensetzlinge erkennen. Auf Flächen mit guter Feuchteversorgung blieben die Pflanzen am vitalsten, auch hielten sich hier im Herbst am längsten ihre Blätter.
In vorhergegangenen Kleinstversuchen zur Aussaat und Auspflanzung von Trollblumen im Feld wurden hohe Verluste durch Schneckenfraß dokumentiert. In den Begängen der 2025 gepflanzten Setzlinge wurden an zwei Flächen Nacktschnecken auf dem Weg zu den Trollblumenpflanzen entdeckt. Dieser Kalamität soll mit der Pflanzenmenge und Flächengröße entgegengewirkt werden. Ebenso ist in der Literatur und auch aus Eigenbeobachtung Fraß von Schalenwild, insbesondere dem Reh, aufgetreten. Auf das Ziehen eines Zaunes wurde vorerst verzichtet. Sollten in den Folgejahren einschlägige Beobachtungen gemacht werden, kann dies noch nachgesteuert werden. Eine Verbreitung über von Rehen gefressene Samen ist laut Lemke et. al. (2015) möglich.
Bei Aussatversuchen über Einsaatstreifen konnte bisher kein Wuchserfolg dokumentiert werden, die Flächen werden aber weiterhin beobachtet. Bereits im Jahr 2023 wurden kleine Stückzahlen an Trollblumen auf abgeplaggten Flächen von 50 x 50 cm gepflanzt. Leider konnte bisher kein Anwachserfolg belegt werden. Als Konsequenz auf die offensichtlich durch Konkurrenzdruck missglückten ersten Versuche und die spontane Möglichkeit, eine große Anzahl an Setzlingen zur Verfügung gestellt zu bekommen, wurden die abgeplaggten Pflanzquadrate auf 3 x 3 m hochskaliert und die Zahl der Pflanzen je Standort auf 100 bzw. 50 gesetzt. Für Ex-Situ-Ansiedelungen wird auch in der Literatur eine Pflanzenzahl von mindestens 50 je Standort empfohlen, um negative Zufallsereignisse zu minimieren (Lauterbach 2013).
Auf einigen Flächen staute sich im Laufe des Herbstes das Regenwasser. Hier muss beobachtet werden, ob die Überstauungsdauer im Toleranzbereich der Trollblume bleibt. Als eine Art der feuchten bis nassen Lagen (Ellenberg (1992) Zeigerwert 7: Feuchtezeiger) ist die Trollblume an eine gewisse Überstauung angepasst. Zu lange Stauperioden führen jedoch zum Absterben der Pflanzen. Auf zwei Pflanzquadraten eines Standorts wurde bereits kurz nach dem Auspflanzen eine Entwässerungsrinne gegraben, um den Wasserstand dauerhaft zu senken.
2Auf einem anderen, eher trockenen Standort trat vermehrt die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) auf, die vom LEV händisch entfernt wurden. Es war bislang die einzige Beobachtung von rasch auftretendem Konkurrenzdruck auf den abgeplaggten Quadraten.
Was koschds?
Wichtiger Aspekt sind auch die Kosten eines doch recht speziellen Artenschutzprojektes. Im genannten Projekt fiel der größte Teil auf den Erwerb der Pflanzen, 3000 Pflanzen für 1500 €, Vorbereitung der Pflanzbetten und Auspflanzen an 14 Standorten mit insgesamt 30 Pflanzquadraten 4413 €, Abtransport Humus 1180 €, Gießaktivität extern 247 € ergibt eine Summe von 7340 €. Die Gießaktivität durch den LEV im Umfang von insgesamt fünf Tagen werden nicht monetär berechnet, sollen aber den Betreuungsaufwand im 1. Jahr verdeutlichen. Durch die spontane Verfügbarkeit der Pflanzen musste bereits im Juni gepflanzt werden, was einen erhöhten Gießaufwand in den trockenen, heißen (Spät) Sommertagen mit sich brachte. Besser ist eine Pflanzung im Herbst (September/Anfang Oktober), wenn durch die jahreszeitlichen Witterungsbedingungen die Austrocknungsgefahr reduziert ist und gleichzeitig die Etablierung eines Wurzelwerks noch vor dem Winter erfolgen kann. Es ergibt sich ein Betrag von 244,66 € je Pflanzquadrat, und ca. 2,50 € pro gepflanzter Trollblume.
Bewirtschaftungsgedanken
Ein paar Gedanken zur Bewirtschaftung: die Trollblume entstammt den ein- bis zweimalig gemähten Feuchtflächen der höheren Lagen. Kowarsch & Poschlod (2022) fanden in ihrer Studie heraus, dass die Art sich auf extensiv genutzten Mahdflächen am besten halten kann. Hierbei besonders auf den Flächen mit relativ später 1. Mahd (Anfang Juli) und Flächen mit einer Nachbeweidung im Herbst. Auf Bracheflächen bildet sie zunächst mächtige Exemplare und z.T. Massenvorkommen aus, kann sich aber aufgrund fehlender Offenbodenstellen nicht vermehren und fällt längerfristig aus. Als Volllichtpflanze (Ellenberg (1992) Lichtzahl 9) benötigt sie lichtbeschienene Offenbodenstellen, um sich generativ zu vermehren. Sie gilt zwar als Trittempfindlich (Trittverträglichkeit 2, Dierschke & Briemle (2002)), kann sich aber im Alpenraum auf den montanen Viehweiden bestens halten. Da die Samen keine zusätzlichen Verbreitungsmechanismen besitzen und eine zoochore Verbreitung über z.B. Rehe zwar möglich ist aber wohl eher untergeordneter Bedeutung ist (Lemke et al. (2015)), findet eine Ausbreitung vorwiegend direkt um die Mutterpflanze statt. Hier müssen Offenbodenstellen vorhanden sein, die eine rasche Keimung möglich machen, denn die Samen sind nur relativ kurze Zeit keimfähig. Eine extensive Beweidung (Empfehlung max. 2 GVE/ha) kann das leisten und ist auch aus eigenen Beobachtungen und derer von Kollegen aus anderen Landkreisen (Rentschler, E. (2025)) eine gute Bewirtschaftungsweise, um die Trollblume dauerhaft zu erhalten und ihr auch die Chance zur Vermehrung zu bieten. Offenbar kann jedoch eine Beweidung zu ungünstigem Zeitpunkt (Mai) auch negative Auswirkungen auf den Bestand haben. Solche Dinge müssen beobachtet werden.
Im vorliegenden Projekt werden die gewählten Flächen vorwiegend extensiv zweischürig gemäht. Ein Standort mit drei Pflanzquadraten wird beweidet. Künftig soll der Fokus vermehrt auf Weide- und Mähweideflächen liegen, sofern sie sinnvoll verfügbar sind.
Ausblick- Was kann erwartet werden?
Auspflanzversuche von Kowarsch N.R., Ziegenhagen B. et al. (2022) zeigten eine Überlebensrate von 80 % im ersten, und von 72 % im zweiten Jahr nach Auspflanzung. Ebenso konnten in besagtem Versuch Blühraten von 59 % im ersten Folgejahr beobachtet werden. Auf den Pflanzstandorten im Ostalbkreis soll nun durch den LEV beobachtet werden, wie sich die gepflanzten Trollblumen entwickeln und ob ggf. zusätzliche Maßnahmen wie Gießen, Zäunen oder ähnliches notwendig werden. Die Wiederansiedlung der Trollblume ist Teil eines umfassenderen Engagements des LEV Ostalbkreis für den Erhalt artenreicher Wiesen. So werden auch in diesem Jahr wieder Einsaaten mit gebietsheimischem Saatgut durchgeführt, um blütenreiche Wiesen zu schaffen und regional seltene Arten, wie beispielsweise auch den Weichhaarigen Pippau (Crepis mollis), zu fördern. Mit solchen Maßnahmen konnten in den vergangenen Jahren bereits über 350 Hektar Flächen ökologisch aufgewertet werden – ein Erfolg, der im letzten Jahr mit der Verleihung des Deutschen Landschaftspflegepreises gewürdigt wurde. Die Ansiedlung der Trollblume ist ein weiterer Teil der Bemühungen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt im Ostalbkreis. Weitere Eindrücke zum Projekt finden Sie auf Instagram unter https://www.instagram.com/lev.ostalbkreis/
Kowarsch N.R., Ziegenhagen B. et al. (2022): Ex-situ-/In-situ-Erhaltungsmaßnahmen für gefährdete Bestände der Trollblume an ihrem nordwestlichen Verbreitungsrand. Ein Beitrag zur Erhaltung der Leitart Trollius europaeus im montanen Grünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 54(5): im Druck.
Kowarsch, N. R., Poschlod, P. (2022): Entwicklung der Bestände und der Populationsstruktur von Trollius europaeus im nördlichen Rothaargebirde innerhalb von 20 Jahren- eine Fallstudie im Hochsauerlandkreis. Naturschutz und Landschaftsplanung, Ausgabe 5.
Kowarsch, N. R., Poschlod, P. (2022): Zusatzmaterial I zu: Entwicklung der Bestände und der Populationsstruktur von Trollius europaeus im nördlichen Rothaargebirde innerhalb von 20 Jahren- eine Fallstudie im Hochsauerlandkreis. Naturschutz und Landschaftsplanung, Ausgabe 5.
Ellenberg H., Weber H.E. et al. (1992): Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. 2.Aufl. Scripta Geobotanica, Bd.18. Goltze-Verlag. Göttingen
Lemke T., Janßen A., Porembski S. (2015): Multiple limitations to the persistence of Trollius europaeus in a fragmented agricultural landscape in the context of metapopulation theory. Plant Ecology 216(2): 319 – 330.
Lauterbach, D. (2013): Ex situ-Kulturen gefährdeter Wildpflanzen – Populationsgenetische Aspekte und Empfehlungen für Besammlung, Kultivierung und Wiederausbringung. – ANLiegen Natur 35(2): 32–39, Laufen, www.anl. bayern.de/publikationen.
Rentschler, E. (2025): Rückmeldung über positive Auswirkungen extensiver Beweidung auf die Trollblume, Landkreis Freudenstadt. Per E-Mail. Dierschke H., Briemle G. (2002): Kulturgrasland. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart: 239 S.
LUBW: Rote Liste der Biotoptypen (2021): https://pd.lubw.de/10247 Rote Listen und Artenverzeichnisse - Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Rote Listen und Artenverzeichnisse - Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/rote-listen
LEV Ostalbkreis e.V.
Gartenstr. 97
73430 Aalen

















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