
Erste praktische Erfolge
Im September dieses Jahres wurde in einem Ortsteil der Gemeinde Dippoldiswalde (Sachsen) ein rund 150 Meter langer Abschnitt des Hennersdorfer Baches im Rahmen der Gewässerunterhaltung naturnah entwickelt. Bislang war dieser – wie viele weitere Abschnitte in der Ortschaft – durch einen engen, strukturarmen Ausbau mit Betonwabenplatten entlang der Sohle und Böschungsfüße geprägt.
von DVL-Landesverband Sachsen e. V. erschienen am 14.01.2026Durch die Initiative des Fachberaters Gewässer (FBG) des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) konnten die Gemeinde und der Eigentümer der Fläche - die örtliche Kirchgemeinde – dafür gewonnen werden, einer Entwicklung des Gewässerabschnitts zuzustimmen. Entsprechend der Zuständigkeit übernahm der BGU die weitere Betreuung des Projektes.

Der Projektbereich liegt innerorts, verläuft jedoch über Grünland mit ausreichendem Abstand zu Straßen und Wohnbebauung. Zur Finanzierung des Projekts stellte die Kommune einen Eigenanteil von 7.000 € bereit. Ergänzend konnte über das KfW-Programm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ eine Bundesförderung in Höhe von 80 % eingeworben werden. Insgesamt standen damit 35.000 € für die Umsetzung zur Verfügung.
Auf Grundlage einer hydraulischen Berechnung, mit der Durchfluss und Schubspannung ermittelt wurden, entwickelte der BGU eine Maßnahmenskizze und übernahm mit Einverständnis der Kommune die erforderlichen Abstimmungen mit den involvierten Akteuren bis zur Umsetzung.
Die untere Wasserbehörde stimmte der Umsetzung als Maßnahme im Rahmen der entwickelnden Gewässerunterhaltung zu, ohne eine zusätzliche wasserrechtliche Genehmigung zu verlangen. Grundlage hierfür ist ein aktueller Grundsatzerlass des sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, der niedrigschwellige Entwicklungsmaßnahmen eindeutig der Gewässerunterhaltung zuordnet. Ziel dieses Erlasses ist es, solche Projekte so unbürokratisch und zügig wie möglich in die Umsetzung zu bringen.
Im Zuge der Erdarbeiten wurden die Wabenplatten sowie aufgelagertes Erdmaterial entfernt. Dadurch vergrößerte sich der Fließquerschnitt, was die Abflussleistung und somit die Hochwassersicherheit erhöht, obwohl die aufwachsenden ingenieurbiologischen Bauweisen für mehr Rauigkeit im Gerinne sorgen werden. Das entnommene Erdmaterial wurde auf dem gleichen Flurstück wiederverwendet, um ein steiles Hangstück abzuflachen. Dadurch konnten Entsorgungskosten von rund 4.000 bis 5.000 € eingespart werden.
Zur Sohlsicherung wurden wegen des Gefälles zwischen 3 % – 4 % mehrere steinerne Sohlriegel mit Steinschüttungen als Nachbettsicherung eingebaut, wodurch ein Wechsel aus Stillen und Rauschen entstand. Im oberen Abschnitt blieb der gerade Verlauf erhalten; gezielt gesetzte Faschinen und lebende Abweiser (Bündel aus Weidenästen) sollen künftig eigendynamische Laufverlagerungen und die Entstehung naturnaher Uferstrukturen anstoßen. In der unteren Hälfte wurde der Bachlauf durch Bodenmodellierung bereits geschwungen angelegt. Rechenbuhnen aus Weidensetzstangen sichern die neugeschaffenen Gleithänge, während die Prallhänge offen belassen wurden, um kontrollierte Erosion zu ermöglichen.
Im November folgten ergänzende Bündelpflanzungen und der Einbau von Weidensteckhölzern, um für mehr Vielfalt in der Gehölzzusammensetzung zu sorgen, ausreichend Schutz vor Erosion an sensiblen Bereichen zu garantieren und eine natürliche Dynamik des Gewässers mit ruhigem Gewissen zulassen zu können.
Zwischen der ersten Ideenfindung im März und dem Abschluss der Arbeiten im November lagen nur acht Monate. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass Gewässerentwicklung mit einfachen Mitteln schnell und wirkungsvoll umgesetzt werden kann, wenn Kommunen, Eigentümer und Behörden engagiert zusammenarbeiten. Nach diesem erfolgreichen Beispiel werden derzeit auch in anderen sächsischen Landkreisen unter Betreuung der Gewässerberaterinnen und -berater des DVL vergleichbare Maßnahmen vorbereitet oder bereits realisiert.

Der „Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) – Landesverband Sachsen“ ist der Landesverband der sächsischen Landschaftspflegeverbände (LPV) und sichert die enge Zusammenarbeit und Koordinierung der Regionalverbände.
DVL-Landesverband Sachsen e. V.
Beratung Gewässerunterhaltung
Lange Straße 43
01796 Pirna
wasser-vahlpahl@dvl-sachsen.de









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