
Was macht ein Steinbock im Deusmauer Moor?
Entwickelt, um Steilhänge, die Heimat des Alpensteinbocks (lat. Ibex), bodenschonend und naturverträglich zu mähen, bewährt sich der gleichnamige Ibex der Firma TerraTec auch auf den Feuchtflächen im Deusmauer Moor. Bei einer durch den Landschaftspflegeverband Neumarkt organisierten Maschinenvorführung erlebte ein bunt gemischtes Publikum aus Landwirten, Vertretern der Naturschutzbehörden und benachbarten Landschaftspflegeverbänden sowie Artenkennern innovative Technik von zwei führenden Herstellern für die Pflege von schwierigstem Gelände im unmittelbaren Einsatz.
von LPV Neumarkt erschienen am 14.04.2026Die durchnässten Böden im Deusmauer Moor stellen ganz besondere Anforderungen an die Landschaftspflege. Um die Pflege möglichst schonend und zugleich effektiv umzusetzen, sind speziell angepasste Geräte erforderlich. Der Bayerische Naturschutzfonds unterstützt im Rahmen des „Moorprojekts im Deusmauer Moor“ des Landschaftspflegeverbands Neumarkt i.d.OPf. e.V. unter anderem die Entwicklung und Erprobung innovativer Methoden zur Moornutzung und zum Geräteeinsatz. Pflanzen wie die blaue Himmelsleiter und Tiere wie die Bekassine, die „meckernde Himmelsziege“, finden hier wertvolle Lebensräume. Damit diese Arten auch künftig im größten zusammenhängenden Kalkflachmoor der Frankenalb bestehen können, ist eine regelmäßige Pflege der Flächen notwendig.
Einsatz auf schwierigem Gelände
Die Firmen TerraTec aus dem Vorarlberg und BB-Umwelttechnik aus dem Allgäu tüfteln ständig nach neuen Lösungen für besonders bodenschonende und naturverträgliche Mahd auf Spezialflächen. Der TerraTec-Steinbock (Ibex) wurde für die Bewirtschaftung von Steilhängen konzipiert, kristallisierte sich wegen seiner besonders leichten Bauweise und der breiten Reifen als ebenso geeignet für durchnässte Moorflächen heraus. Aufgrund der Dornen an den Reifen können sie sich effizient antreiben, der Fahrer kann sich direkt aufs Gerät stellen und muss nicht, wie bei vielen anderen Balkenmähern, hinterherlaufen. Beeindruckt waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch von der Präzision, mit der die Anbaugeräte der Firma BB-Umwelttechnik das Schilf geschnitten und von der Fläche geborgen haben.
„Es freut uns sehr, dass so ein Austausch zwischen Praxis, Technikentwicklung und Naturschutz entstehen konnte. Dies ist besonders wertvoll, da Pflege und Nutzung von Moorflächen nur im Zusammenspiel verschiedener Akteure erfolgreich umgesetzt werden können“, so die Organisatoren Agnes Hofmann, Larissa Fleiner und Matthias Ochsenkühn vom Landschaftspflegeverband Neumarkt.
Vertreter der beiden Firmen präsentierten einen kompletten Pflegeeinsatz im Moor. Zu Beginn wurde das Schilf geschnitten, dann mit einem Kamm-Schwader zusammengetragen und mit einem Heuschieber aus der Fläche geborgen. An Stellen, an denen Menschen bis zum Knie im Boden versanken, dellte das Gerät den Boden lediglich geringfügig ein. Nach einer Mittagspause mit Stärkung im Dorfladen Deusmauer kam der Ibex noch in seinem ursprünglichen Gelände zum Einsatz: Zum Bergen von Schnittgut an einem steilen Trockenrasen! Auch hier hatten die Zuschauenden mehr Schwierigkeiten, sich auf dem Gelände fortzubewegen als das Gerät.
Warum müssen die Flächen im Deusmauer Moor gemäht werden?
Der Artenreichtum im Moor ist die Folge jahrhundertelanger, extensiver Nutzung. Die Niedermoorbereiche und angrenzende Feuchtwiesen wurden spät im Jahr von Hand mit der Sense gemäht, das Mähgut als Einstreu für den Stall verwendet. Es entstand ein unersetzbarer Lebensraum für Orchideen, Wollgräser, Sumpfschrecken und viele andere Arten. Nach Aufgabe dieser Nutzung breiteten sich auf den ehemals gemähten Flächen konkurrenzstarke Arten wie Schilf aus und verdrängten andere Arten. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, werden bereits seit den 1990er Jahren Kalkflachmoorbereiche im Deusmauer Moor vom Landschaftspflegeverband wieder im Rahmen der Landschaftspflege gemäht. Seitdem haben sich die Bedingungen für etliche seltene Moorarten, wie zum Beispiel die Schlammsegge, auf einigen Flächen wieder deutlich verbessert.
Das Förderprojekt des Bayerischen Naturschutzfonds unter der Trägerschaft des Landschaftspflegeverbands Neumarkt hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Ausweitung und Spezialisierung der Landschaftspflegemaßnahmen den Erhalt der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Deusmauer Moors weiter zu fördern. Hierbei werden unter anderem der Einsatz von Spezialgeräten für die Moorpflege sowie Beweidungsmodelle geprüft. Es geht um die Entwicklung neuer Möglichkeiten der Landschaftspflege-Materialverwertung, um Flächenankauf oder auch um die Vermittlung des herausragenden Werts des Deusmauer Moors für Klima- und Artenschutz in Form von Naturführungen, Infobroschüren oder Infotafeln. Zur Bewältigung des großen Aufgabenspektrums fördert der Bayerische Naturschutzfonds im Rahmen des Projekts auch das Projektmanagement zur Unterstützung des Landschaftspflegeverbands.
Der Landschaftspflegeverband Neumarkt i.d.OPf. ist Mitglied im Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL). Landschaftspflegeverbände sind Zusammenschlüsse, in denen Landwirtinnen und Landwirte, Naturschützende sowie Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker gemeinsam naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen.
Werner Thumann, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Neumarkt i.d.OPf. e.V. Telefon (09181) 470-1337
Agnes Hofmann, stellvertr. Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbands Neumarkt i.d.OPf. e.V. Telefon (09181) 470-1383
Larissa Fleiner, Projektmanagerin Deusmauer Moor Telefon (09181) 470-1498
Landschaftspflegeverband Neumarkt i.d.OPf. e.V.
Nürnberger Str. 1
92318 Neumarkt i.d.OPf.









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