
Böschungsbegrünung mit der „Strickliesel“
Am Autobahnkreuz Darmstadt kommt beim Neubau einer Böschung ein Spezialverfahren für die Hangsicherung zum Einsatz: Heustränge mit autochthonem Material zur Hangbegrünung. Das HR-Fernsehen berichtete dazu in der Sendung Maintower.
von Dr. Sarah Harvolk-Schöning erschienen am 14.04.2026Am Autobahnkreuz Darmstadt kommt beim Neubau einer Böschung ein Spezialverfahren für die Hangsicherung zum Einsatz: Heustränge. Bei diesem Verfahren wird samenreiches Heu aus der Region zu Strängen verarbeitet. Diese Stränge werden mäanderförmig im 45°-Winkel am Hang verlegt, um Regenwasser abzuleiten und die Böschung zu sichern. Die im Heu enthaltenen Wildpflanzensamen keimen aus und begrünen die Böschung. Der dauerhafte Erosionsschutz erfolgt durch die Wurzeln der Pflanzen. So können zwei Arbeitsschritte kombiniert werden: die Hangsicherung und die Begrünung der Böschung mit gebietseigenen Pflanzen.
Das Verfahren wurde von Heinrich Meusel, einem innovativen Landwirt, Garten- und Landschaftsbauer, gemeinsam mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut entwickelt. Für die Idee, mit einer Maschine, die einer großen Strickliesel ähnelt, Heustränge zu erzeugen, die dann als Baustoff zur Hangsicherung und -begrünung verwendet werden, erhielt der Thüringer bereits Auszeichnungen.
Am Darmstädter Kreuz fanden in jüngerer Vergangenheit umfangreiche Baumaßnahmen statt. Unter anderem wurde eine Böschung von etwa einem Hektar Fläche neu modelliert, die für eine Begrünung mit Heusträngen geeignet war. Die fachliche Beratung, die Vermittlung des Kontakts zur Firma Heu Heinrich und die Koordination erfolgten durch die DVL-Koordinierungsstelle Hessen im Rahmen des Projekts Blütenvielfalt (RegioProD). So konnte erstmals in Hessen eine Fläche mit diesem neuartigen Verfahren begrünt werden.
Das Heu für die Produktion der Heustränge kommt von einem landwirtschaftlichen Betrieb in einer Nachbargemeinde, nur wenige Kilometer vom Autobahnkreuz entfernt. Bei der Vermittlung unterstützte der LPV „Landschaftspflege Darmstadt-Dieburg e.V.“.
Die regionale Wertschöpfung ist neben den genannten Vorteilen ein weiterer Mehrwert der Methode. Viele Betriebe im Landkreis bewirtschaften artenreiches Grünland, das einen hohen Beitrag zur Biodiversität in der Region leistet. Die Verwertung des Materials wird jedoch mit dem Rückgang der Tierhaltung zunehmend schwieriger. Innovative Verwertungsmöglichkeiten wie die Verwendung des Heus als Spendermaterial für Begrünungen können unterstützen und erzeugen Wertschätzung für die landwirtschaftlichen Betriebe der Region.
Über das Verfahren und die Umsetzung der Fläche am Darmstädter Kreuz berichtet das HR-Fernsehen in der Sendung Maintower (erster Beitrag vom 13.03.2026).
Dr. Sarah Harvolk-Schöning
RegioProD-Projektmanagement Hessen
DVL-Koordinierungsstelle Hessen
Tel. 06408 96978-26
s.harvolk@dvl.org
Der Verein Landschaftspflege Darmstadt-Dieburg e.V. ist Mitglied im Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL). Landschaftspflegeverbände sind Zusammenschlüsse, in denen Landwirtinnen und Landwirte, Naturschützende sowie Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker gemeinsam naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen.









Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.