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ZusammenFLUSS – Beratung für Kommunen zur naturnahen Gewässerunterhaltung

Erst praktische Erfolge

Im September 2025 wurde in einem Ortsteil der Stadt Dippoldiswalde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ein rund 150 m langer Abschnitt des Hennersdorfer Baches im Rahmen der Gewässerunterhaltung naturnah umgestaltet. Bislang war dieser – wie viele weitere Abschnitte in der Ortschaft – durch einen engen, strukturarmen Ausbau mit Betonwabenplatten entlang der Sohle und Böschungsfüße geprägt.

von DVL-Landesverband Sachsen e. V. erschienen am 14.01.2026
Einbau eines lebenden Abweisers aus Weidenmaterial zur Begrünung und Erhöhung der Strukturvielfalt © Hans Vahlpahl
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Auf Initiative des Gewässerberaters des DVL-Landesverbands Sachsen entschloss sich die Kommune Anfang 2025, Mittel für die Entwicklung eines ersten Abschnitts bereitzustellen. Der Projektbereich liegt innerorts, verläuft jedoch über Grünland mit ausreichendem Abstand zu Straßen und Wohnbebauung. Eigentümerin der Fläche ist die örtliche Kirche, die der Maßnahme grundsätzlich zustimmte.

Vorher: Der Abschnitt des Hennersdorfer Baches vor Beginn der Maßnahmen. Der Bach ist auf ganzer Länge mit Rasengittersteinen befestigt.
Vorher: Der Abschnitt des Hennersdorfer Baches vor Beginn der Maßnahmen. Der Bach ist auf ganzer Länge mit Rasengittersteinen befestigt. © Moritz Zitzmann

Zur Finanzierung des Projekts stellte die Kommune einen Eigenanteil von 7.000 € bereit. Ergänzend konnte über das KfW-Programm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ eine Bundesförderung in Höhe von 80 % eingeworben werden. Insgesamt standen damit 35.000 € für die Umsetzung zur Verfügung.

Auf Grundlage einer hydraulischen Berechnung nach Manning-Strickler, mit der Durchfluss und Schubspannung ermittelt wurden, entwickelte der DVL eine Maßnahmenskizze für die naturnahe Aufwertung des Bachabschnittes.

Im Zuge der Erdarbeiten wurden die Wabenplatten sowie aufgelagertes Erdmaterial entfernt. Dadurch vergrößerte sich der Fließquerschnitt, was die Abflussleistung und somit die Hochwassersicherheit erhöht, obwohl die ingenieurbiologische Bauweise für mehr Rauigkeit im Gerinne sorgen wird. Das entnommene Erdmaterial wurde auf dem gleichen Flurstück wiederverwendet, um ein steiles Hangstück abzuflachen. Dadurch konnten Entsorgungskosten von rund 4.000 bis 5.000 € eingespart werden.

Zur Sohlsicherung wurden mehrere steinerne Sohlriegel mit Steinschüttungen als Nachbettsicherung eingebaut, wodurch ein Wechsel aus Stillen und Rauschen entstand. Im oberen Abschnitt blieb der gerade Verlauf erhalten; gezielt gesetzte Faschinen und lebende Abweiser (Bündel aus Weidenästen) sollen künftig Laufverlagerungen anstoßen. In der unteren Hälfte wurde der Bachlauf durch Bodenmodellierung bereits geschwungen angelegt. Rechenbuhnen aus Weidenstangen sichern die neugeschaffenen Gleithänge, während die Prallhänge offen belassen wurden, um kontrollierte Erosion zu ermöglichen.

Im November folgten ergänzende Bündelpflanzungen und der Einbau von Weidensteckhölzern, teilweise mit Abstand zu den Böschungsoberkanten, um für mehr Vielfalt in der Gehölzzusammensetzung zu sorgen, ausreichend Schutz vor Erosion an sensiblen Bereichen zu garantieren und eine natürliche Dynamik des Gewässers mit ruhigem Gewissen zulassen zu können.

Die Untere Wasserbehörde (uWB) stimmte der Umsetzung als Maßnahme der Gewässerunterhaltung zu, ohne eine zusätzliche wasserrechtliche Genehmigung zu verlangen. Grundlage hierfür ist ein aktueller Erlass des sächsischen Umweltministeriums, der kleinräumige Entwicklungsmaßnahmen eindeutig der Gewässerunterhaltung zuordnet. Ziel dieses Erlasses ist es, solche Projekte so unbürokratisch und zügig wie möglich zu realisieren.

Zwischen der ersten Ideenfindung im März und dem Abschluss der Arbeiten im November lagen hier nur acht Monate. Das Projekt zeigt damit eindrucksvoll, dass Gewässerentwicklung mit einfachen Mitteln schnell und wirkungsvoll umgesetzt werden kann, wenn Kommunen, Eigentümer und Behörden engagiert zusammenarbeiten – und wenn der Bürokratieaufwand überschaubar bleibt! Nach diesem erfolgreichen Beispiel werden derzeit auch in anderen sächsischen Landkreisen unter Betreuung der Gewässerberaterinnen und -berater vergleichbare Maßnahmen vorbereitet oder bereits umgesetzt.

Nachher: Der Bachabschnitt nach Ende der Erdarbeiten. Zu erkennen ist der leicht geschwungene Verlauf mit einer punktuellen Sohlsicherung.
Nachher: Der Bachabschnitt nach Ende der Erdarbeiten. Zu erkennen ist der leicht geschwungene Verlauf mit einer punktuellen Sohlsicherung. © Moritz Zitzmann

Der „Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) – Landesverband Sachsen“ ist der Landesverband der sächsischen Landschaftspflegeverbände (LPV) und sichert die enge Zusammenarbeit und Koordinierung der Regionalverbände.

DVL-Landesverband Sachsen e. V.

Beratung Gewässerunterhaltung

Lange Straße 43

01796 Pirna

wasser-vahlpahl@dvl-sachsen.de

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