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Wiederherstellung von Streuobstwiesen im Vogelschutzgebiet Neckarsteinach

Renaturierung durch kooperative Landschaftspflege

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Kulturlandschaften Mitteleuropas, sind jedoch vielerorts durch Nutzungsaufgabe, Verbuschung und Prädation stark gefährdet. Im Vogelschutzgebiet bei Neckarsteinach zeigt der Landschaftspflegeverband Kreis Bergstraße e. V. (LPV), wie die Wiederherstellung degradierter Streuobstbestände als aktive Form der Renaturierung durch kooperative Landschaftspflege gelingen kann.

von Martin Schaarschmidt, Landschaftspflegeverband Kreis Bergstraße e. V. erschienen am 13.01.2026
Mulchen, damit Neues entstehen kann © Rene Hess
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Ausgangslage und Handlungsbedarf

Die rund fünf Hektar große Projektfläche liegt innerhalb eines Natura-2000-Gebiets und war über Jahre stark verbuscht. Dichte Brombeerbestände, Gehölzaufwuchs sowie fehlende Pflege führten zu einem deutlichen Verlust an Offenlandstrukturen und Lebensraumqualität für Arten wie Gartenrotschwanz, Neuntöter oder Mittelspecht. Frühere Kartierungen belegten einen dringenden Handlungsbedarf.

Kooperative Umsetzung und Maßnahmen

Die Umsetzung erfolgte in enger Kooperation zwischen dem LPV, dem Regierungspräsidium Darmstadt, dem Forstamt, der Stadt Neckarsteinach, örtlichen Jagdpächtern, Naturschutzakteuren, dem Technischen Hilfswerk sowie privaten Flächeneigentümern.

Auch die praktische Umsetzung war arbeitsteilig organisiert: Ein ortsansässiger Landwirt übernahm die groben Arbeiten (Mulchen von Brombeeren und Gehölzen sowie Aufnahme und Abtransport des Schnittguts mittels Rundballenpresse bei Frost), während ein weiterer Dienstleister mit mehreren Mitarbeitenden die Feinarbeiten in Handarbeit ausführte. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer waren insbesondere beim Rückbau alter Zäune sowie bei der Entsorgung von Unrat maßgeblich eingebunden.

Erfolgsfaktoren und Übertragbarkeit

Ein zentraler Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den örtlichen Naturschützern. Zur Reduktion des hohen Prädationsdrucks durch Waschbären wurden über das Schutzgebietsmanagement Fallen finanziert und eingesetzt, ergänzt durch waschbärensichere Nisthilfen. Die Betreuung und das Monitoring der Nisthilfen sowie Teile der Pflege übernahmen lokale Naturschutzakteure. Das begleitende Vogelstimmenmonitoring wurde von den Jagdpächtern aus eigenen Mitteln finanziert.

Die Flächen werden künftig durch Mahd bzw. extensive Beweidung gepflegt. Das Projekt zeigt exemplarisch, dass die Renaturierung historischer Kulturlandschaften vor allem durch abgestimmte Kooperation, fachlich differenzierte Maßnahmen und eine gesicherte Nachpflege erfolgreich umgesetzt werden kann – ein Ansatz, der auf viele Regionen übertragbar ist.

Der Landschaftspflegeverband Kreis Bergstraße ist Mitglied im Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL). Landschaftspflegeverbände sind Zusammenschlüsse, in denen Landwirtinnen und Landwirte, Naturschützende sowie Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker gemeinsam naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen.

Martin Schaarschmidt

Landschaftspflegeverband Kreis Bergstraße e. V.

Nibelungenstraße 280, 64686 Lautertal

Tel.: 0170 – 43 076 43

E-Mail: info@landschaftspflegeverband-bergstrasse.de

www.landschaftspflegeverband-bergstrasse.de

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