
Erste Kalkmagerrasen wiederhergestellt
Im Hotspot-Projekt „Naturschatz Gipskarst“ möchte der LPV Landkreis Göttingen bestehende, naturschutzfachlich wertvolle Offenlandlebensräume und deren Biotopverbund im Projektgebiet optimieren. Im ersten Projektjahr sind zwei Kalkmagerrasen wiederhergestellt worden. Im Sommer 2025 zeigten sich sowohl erste Erfolge als auch die Herausforderungen einer effektiven Flächenpflege.
von Silke Staubitz, Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V. erschienen am 14.01.2026Das Projektgebiet liegt im niedersächsischen Teil des Südharzer Zechsteingürtels. Dessen Geomorphologie und die damit verbundene Arten- und Lebensraumvielfalt ist einzigartig in Mitteleuropa. Es ist Teil des Hotspots der biologischen Vielfalt Nr. 18 „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“.
Die Lebensräume sollen in Größe und Qualität verbessert werden. Um das zu erreichen, werden die extensive Nutzung ausgeweitet, die Bewirtschaftung langfristig angelegt und verschiedenste Pflegemaßnahmen umgesetzt. Ein besonderer Fokus liegt auf den im Projektgebiet noch zahlreichen Grünlandlebensräumen. Zudem werden charakteristische Arten der Gipskarstlandschaft, etwa Fledermäuse, Insekten oder Orchideen gefördert. Besondere Schätze sind etwa das Dreizähnige Knabenkraut (Neotinea tridentata), das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris), der Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) oder das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis).
Viele artenreiche Grünlandstandorte, etwa Kalkmagerrasen, sind in den letzten Jahren brachgefallen. Grund dafür ist meist die Aufgabe der extensiven Beweidung dieser mageren und oft unwegsamen Flächen. Vor allem für spezialisierte Pflanzen- und Insektenarten ist diese Wiederherstellung offener Lebensräume überlebenswichtig. Damit die Entbuschung von Grünland langfristig erfolgreich ist, ist nicht nur die anschließende Nutzung wichtig, sondern auch, dass die Stockausschläge der Gehölze während der Vegetationszeit entfernt werden, insbesondere in den ersten Jahren nach der Instandsetzung,
Die Maßnahmenfläche „Vor dem Hellenberg“ liegt im FFH-Gebiet 133 „Gipskarstgebiet bei Osterode“. Es handelt sich um 0,7 ha brachgefallenen Kalkmagerrasen, der als § 30-Biotop geschützt ist. Auf der Fläche kommen neun Rote-Liste-Pflanzenarten vor, unter anderem das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris). Zudem wurde dort 2020 eine isolierte Population des in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Ehrenpreis-Scheckenfalters (Melitaea aurelia) nachgewiesen. Die Fläche war in Teilen stark verbuscht. Das Areal wurde im Februar 2025 durch ein Landschaftspflegeunternehmen freigestellt und der dort abgelagerte Müll entsorgt. Dieser Aktion waren Abstimmungen mit der Unteren Naturschutzbehörde und allen lokalen Betroffenen, u. a. auch mit der Feldmarks-Interessentenschaft und dem Jagdpächter, vorangegangen. Für die Beweidung wurde ein fester Elektrozaun installiert. Ein ansässiger Landwirt übernahm die Beweidung mit Rindern.
1Auch der „Schulberg“ in der Gemeinde Scharzfeld ist ein Kalkmagerrasen, dessen Zustand sich in den letzten Jahren aufgrund fehlender Nutzung und Sukzession erheblich verschlechtert hatte. Die Rote-Liste-Kartierdaten des LPV Göttingen von 2019 zeigen jedoch, dass die Fläche bei richtiger Pflege ein hohes naturschutzfachliches Potenzial hat: Unter anderem kommen hier die gefährdeten Arten Heil-Ziest (Betonica officinalis), Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) und Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris ssp. vulgaris) – alle Rote Liste 3 in Niedersachsen – vor. Aus diesem Grund wurden die aufgewachsenen Gehölze auf dem Schulberg entfernt. Einzelne, wertgebende Bäume wurden auf der Fläche erhalten. Bedingt durch die hängige Lage und den empfindlichen Untergrund wurden die Arbeiten zum großen Teil in Handarbeit und mit kleinen Maschinen durchgeführt.
2Seit dem Frühjahr 2025 beweidet ein Landwirt die Fläche mit Schafen und Ziegen. Im Sommer 2025 zeigte sich bereits ein schöner Blühaspekt, jedoch kamen auch hier starke Stockausschläge auf, die händisch entfernt wurden. Im Rahmen der Rote-Liste-Kartierung 2025 konnte für einige Arten bereits eine positive Bestandsentwicklung festgestellt werden. Darunter waren sogar Arten, die auf der Fläche als verschollen galten. Die langfristige Beweidung trägt entscheidend zur Förderung konkurrenzschwächerer Arten und deren Entwicklung auf der Fläche bei.
Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt sowie durch niedersächsische Landesmittel, den Landkreis und die Bingo-Umweltstiftung gefördert. Der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen ist Mitglied im Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL). Landschaftspflegeverbände sind Zusammenschlüsse, in denen Landwirtinnen und Landwirte, Naturschützende sowie Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker gemeinsam naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen.
Silke Staubitz, Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V.
Projektbüro Herzberg am Harz
Marktplatz 1–5
37412 Herzberg am Harz
Tel. 05521 87199-14
silke.staubitz@lpv-goettingen.de













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