
Neuer Prozess fördert die Umsetzung
Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) sieht vor, bis 2030 mindestens 25.000 km frei fließende Flüsse wiederherzustellen. In einer Studie, veröffentlicht in „Nature Communications Earth & Environment“, wurde ein Prozess entwickelt, der die Umsetzung des WVO-Ziels zur Renaturierung frei fließender Flüsse unterstützen kann.
von Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)/Redaktion erschienen am 20.04.2026Um die EU-Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) zu unterstützen, liefert die Studie einen praktischen, schrittweisen Prozess, der wissenschaftliche Prioritäten direkt mit politischen Maßnahmen verknüpft. Der Prozess skizziert, wie die Renaturierung durch iterative Phasen gesteuert werden kann – von der Bestandsaufnahme des Zustands der Flüsse über die gemeinsame Entwicklung von Lösungen mit den Interessengruppen bis hin zur Finanzierung, Umsetzung und langfristigen Kontrolle. Durch die Abstimmung der wichtigsten Forschungsprioritäten auf bestehende europäische Rechtsvorschriften und Indikatoren hilft das Rahmenwerk dabei, ehrgeizige Ziele in konkrete, kontextspezifische Maßnahmen vor Ort umzusetzen.
„Was wir anbieten, ist keine Einheitslösung, sondern ein strukturierter Prozess, der den Staaten hilft, von der Planung zur Umsetzung zu gelangen“, sagt Twan Stoffers, Erstautor der Studie. „Indem wir Wissenschaft, Politik und die Einbindung von Interessengruppen auf iterative Weise miteinander verknüpfen, bieten wir einen realistischen Weg, um die Renaturierung von Flüssen in der Praxis zum Erfolg zu führen.“
In der Studie wurde das Fachwissen aus Forschung, Praxis, Wasserwirtschaft, Politik und Verbänden aus 45 Ländern zusammengefasst und dabei 27 verschiedene Prioritäten für die Renaturierung von Flüssen ermittelt. Die zehn am höchsten bewerteten Forschungsprioritäten haben die Forschenden mit den einschlägigen Rechtsvorschriften und potenziellen Indikatoren abgeglichen. Die drei wichtigsten identifizierten Forschungsprioritäten sind:
- die Verbesserung der biologischen Vielfalt und der Ökosystemfunktionen in Fließgewässern,
- die Entwicklung von Priorisierungsstrategien für gezielte Renaturierungsmaßnahmen und
- die Festlegung von Renaturierungsstandards.
Das Forschungsteam betont, dass entgegen einiger aktueller politischer Tendenzen in Europa die frühzeitige Einbindung von Interessengruppen eine entscheidende Rolle für eine wirksame Renaturierung und nachhaltige Wasserwirtschaft spielt. In der Praxis erfordert dies strukturierte Co-Design-Prozesse, in denen Forschende, Politik, Behörden und lokale Interessengruppen gemeinsam Renaturierungsziele definieren, unterstützt durch partizipative Planung, Entscheidungshilfetools und kontinuierliches Feedback durch Monitoring und adaptives Management.
Darüber hinaus werfen die Forschenden auch einen selbstkritischen Blick auf ihr eigenes Arbeitsfeld: Trotz der wachsenden Erkenntnis, dass mehr Integration notwendig ist, bleibt eine echte Zusammenarbeit zwischen Natur- und Sozialwissenschaften selten. Hartnäckige Hindernisse wie disziplinäre Paradigmen, unzureichende institutionelle Unterstützung und begrenzte Kooperationsfähigkeiten schränken diese Integration von unterschiedlichen Ansätzen weiterhin ein. Mit dieser neuen Studie wollen die Autorinnen und Autoren daher auch zur Weiterentwicklung inter- und transdisziplinärer Ansätze in der Flussrenaturierung beitragen.









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