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Policy Brief

Bienen und andere Bestäuber in Europa stärken

Bestäuberinsekten spielen eine Schlüsselrolle für Landwirtschaft, Biodiversität und stabile Ökosysteme. Maßnahmen zum Bestäuberschutz tragen zu gesunden Böden, sauberem Wasser und Klimaschutz bei. Gleichzeitig gehen die Bestände dieser Insekten in vielen Teilen Europas seit Jahren zurück. Ein neuer Policy Brief des EU-Horizon-Europe-Projekts RestPoll fasst nun zusammen, welche Renaturierungsmaßnahmen nach aktueller wissenschaftlicher Evidenz am besten zur Erholung von Bestäuberpopulationen beitragen können.

von Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/Redaktion erschienen am 11.03.2026
Graue Sandbiene ( Andrena cineraria ) an Schlehe ( Prunus spinosa ) © Julia Bächtle
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„Wenn wir den Rückgang der Bestäuber in Europa bis 2030 stoppen und umkehren wollen, müssen wir vor allem zwei Dinge konsequent angehen: den Ausbau und die Vernetzung geeigneter Lebensräume sowie eine weniger intensive Nutzung von intensiven Agrar- und Grünflächen“, erklärt Dr. Alexandra-Maria Klein, die das Projekt geleitet hat. „Wichtig ist dabei, dass Maßnahmen an die lokalen Gegebenheiten angepasst, gemeinsam mit Praktiker*innen entwickelt und systematisch überwacht werden.“

Der Policy Brief basiert auf einer Befragung von Expertinnen und Experten und einem Überblick über die Fachliteratur. In einem ersten Schritt bewerteten 56 international anerkannte Bestäuber-Fachleute aus 20 europäischen Ländern insgesamt 17 mögliche Renaturierungsmaßnahmen in einer Online-Befragung. Sie schätzten ein, wie wirksam, praktikabel und kostenintensiv diese Maßnahmen aus ihrer fachlichen und praktischen Erfahrung sind. Ergänzt wurden diese Einschätzungen durch einen gezielten Überblick über die wissenschaftliche Literatur, unter anderem mithilfe der Plattform Conservation Evidence, die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen systematisch auswertet.

Die Autorinnen und Autoren ordnen ihre Empfehlungen gezielt in den Kontext der EU-Nature Restoration Regulation (NRR) ein. Diese verpflichtet die Mitgliedstaaten unter Artikel 10, den Rückgang von Bestäubern bis 2030 umzukehren und ihre Bestände danach weiter zu erhöhen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen ihre Entwürfe der nationalen Wiederherstellungspläne bis zum 1. September 2026 bei der Europäischen Kommission einreichen.

Welche Maßnahmen Bestäuber besonders wirksam schützen

Der Analyse zufolge lässt sich Bestäuberschutz effektiv mit Renaturierungsmaßnahmen in Agrarlandschaften, Grünland und urbanen Grünräumen verknüpfen. Am wirksamsten ist es, die Qualität, Fläche und Vernetzung von Lebensräumen für Bestäuber zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem artenreiche (halb-)natürliche Wiesen, Wildblumenflächen, Hecken sowie blühende Bäume und Sträucher. Solche Strukturen verbessern nicht nur das Nahrungsangebot, sondern erleichtern auch die Ausbreitung und den genetischen Austausch von Bestäubern in der Landschaft.

Gleichzeitig sei entscheidend, intensive Bewirtschaftungspraktiken zu reduzieren – etwa durch geringeren Pestizideinsatz sowie selteneres Mähen oder weniger intensive Beweidung. Auf brachliegenden Flächen solle hingegen wieder eine schonende Nutzung stattfinden, zum Beispiel durch gelegentliches Mähen oder Beweidung mit wenigen Tieren, um die Verbuschung der Flächen zu verhindern. Eine „Standardlösung“ gebe es dabei nicht: Maßnahmen seien dann besonders erfolgreich, wenn sie an lokale Bedingungen wie Boden, Klima, Landschaftsstruktur und Zielarten angepasst werden.

Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung nennen die Autorinnen und Autoren klare und messbare Ziele, die Einbindung von Landwirtschaft, Landbewirtschaftern, Kommunen, Behörden und Fachleuten, ausreichende finanzielle und technische Unterstützung sowie ein Monitoring, das überprüft, ob Maßnahmen wirken und gegebenenfalls angepasst werden müssen. „Renaturierungsmaßnahmen für Bestäuber können sowohl ökologisch sinnvoll als auch kosteneffizient sein. Sie schaffen multifunktionale Landschaften, die Bestäuberpopulationen stärken und gleichzeitig einen breiteren Nutzen für Biodiversität, Boden- und Wassergesundheit, nachhaltige Landwirtschaft, Klimaschutz und das Wohlergehen der Bevölkerung bieten. Darüber hinaus können sie die Abhängigkeit von chemischen Pflanzenschutzmitteln verringern und so die langfristige ökologische und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit fördern“, erklärt Dr. Jessica Knapp, Erstautorin des Policy Briefs und Forscherin an der Universität Lund (Schweden).

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