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Studie

Waldumbau kann Mistkäfern schaden

Um dem Artenverlust in den oft eintönigen Wirtschaftswäldern Europas entgegenzuwirken, setzen Forstwirtschaft und Naturschutz auf mehr Strukturvielfalt. Die Strategie: Durch das gezielte Schaffen von Lichtungen und die Anreicherung von Totholz sollen die Bedingungen natürlicher Wälder nachgeahmt werden. Forschende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU)  zeigen nun aber: Mistkäfer leiden unter dieser Maßnahme.

von Uni Würzburg/Redaktion erschienen am 05.03.2026
Der Waldmistkäfer Anoplotrupes stercorosus agiert als „Gesundheitspolizei“ im Wald. Er vergräbt den Kot anderer Tiere, hemmt somit die Ausbreitung von Parasiten und bringt Nährstoffe in den Waldboden. © Johanna Asch/Universität Würzburg
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In ihrem Experiment verglichen die Forschenden konventionell bewirtschaftete, dichte Wälder mit experimentellen Wäldern, in denen gezielt die Strukturvielfalt erhöht wurde. Untersucht wurden insgesamt 234 Flächen in elf Waldgebieten in ganz Deutschland.

Das Ergebnis widerspricht klar der allgemeinen Erwartung: „Die Vielfalt der Mistkäfer nahm in den strukturreicheren Wäldern nicht zu. In den neu geschaffenen Lichtungen ging sie sogar signifikant zurück“, so Johanna Asch, Doktorandin am JMU-Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie und Erstautorin der Studie. Dieses unerwartete Resultat zeigt, dass diese Käfer von der Strukturvielfalt nicht profitieren. Der Schlüssel zu ihrem Überleben liegt vielmehr im Mikroklima des Waldes.

Warum Lichtungen Mistkäfern schaden

Der Hauptakteur in den untersuchten Wäldern ist der Waldmistkäfer Anoplotrupes stercorosus. Er macht in allen Regionen den größten Anteil der Biomasse aus, oft über 90 %, und ist damit der wichtigste Dienstleister für die Kotbeseitigung. Die Studie zeigt, dass genau diese Schlüsselart, ein an kühle und feuchte Bedingungen angepasster großer Tunnelgräber, besonders leidet.

Der entscheidende Faktor ist das Klima. Geschlossene, dichte Wälder wirken wie ein Puffer gegen Temperaturextreme. Die Lichtungen heben diesen Schutzeffekt auf und führen zu höheren Temperaturen und stärkerer Austrocknung am Boden. Für den Waldmistkäfer kann so eine doppelte Bedrohung entstehen: Die allgemeine Klimaerwärmung und die lokal erhöhten Temperaturen in den Lichtungen schaffen lebensfeindliche Bedingungen.

Die Folge: Mit steigender Temperatur nehmen sowohl seine Population als auch die Effizienz der Kotbeseitigung ab. Die immense Bedeutung der Insekten belegen die Forschenden mit Zahlen. Wurden die Käfer in kühleren Regionen vom Dung ferngehalten, verringerte sich dessen Abbau um 77 bis 91 %.

Klimawandel bedroht die Müllabfuhr des Waldes

Die Forschungsergebnisse sind im Kontext des Klimawandels von hoher strategischer Bedeutung. Sie zeigen, dass Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität differenziert betrachtet werden müssen, da nicht alle Artengruppen gleichermaßen profitieren. Für die Mistkäfer ist dabei nicht ein Mangel an Nahrung das Problem; die Studie ergab, dass nicht die Kotverfügbarkeit, sondern das Klima ihre Populationen begrenzt.

Für die Praxis leitet sich daraus eine klare Handlungsempfehlung ab: „Auch wenn das Ziel einer höheren Strukturvielfalt richtig bleibt, ist es unerlässlich, gleichzeitig ausreichend große, geschlossene und damit kühlere Waldbestände zu erhalten“, betont Asch. Nur so können die für das Ökosystem zentralen Mistkäfergemeinschaften und ihre Leistungen geschützt werden.

Mit fortschreitendem Klimawandel und steigenden Temperaturen könnte sich der Waldmistkäfer in kältere Gebiete zurückziehen. So entsteht eine funktionale Lücke. In weiteren Forschungsprojekten muss nun untersucht werden, ob wärmeliebende Arten aus den Mittelmeerregionen einwandern und diese Lücke füllen können.

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