
Zuckerbrot und Peitsche für naturpositive Ökonomie
Naturpositives Wirtschaften: Der Weltbiodiversitätsrat IPBES hat bei seiner Vollversammlung in Manchester die Zusammenhänge zwischen Biodiversität und der Wirtschaft intensiv durchleuchtet. Deutlich wird im Report „Business und Biodiversität“, wie ambivalent die Zusammenhänge sind. Denn oft profitiert die Wirtschaft von der Ausbeutung der Natur, zumindest kurzfristig. Und doch hängt sie vielfach direkt oder indirekt von der Natur ab. Schon der Weltwirtschaftsrat stufte den Verlust der Biodiversität und den Kollaps von Ökosystemen als eines der drei größten globalen Langfrist-Risiken für die Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren ein, neben Extremwetter-Ereignissen und Verschmutzungen.
von Eckhard Jedicke erschienen am 01.03.2026Falsche Anreize durch Subventionen
Einmal mehr wird deutlich, dass es nicht an finanziellen Mitteln hapert, sondern an deren Verteilung: Weltweit hätten im Jahr 2023 schätzungsweise 7,3 Billionen US-Dollar an Subventionen und privaten Finanzierungen den Verlust biologischer Vielfalt begünstigt, schreibt der IPBES. Nur drei Hundertstel davon, rund 220 Milliarden Dollar, flossen an öffentlichen und privaten Finanzmitteln in die Erhaltung und Wiederherstellung von Biodiversität. Die Rechnung für Unternehmen ginge aber nur auf, solange sie die Umweltkosten ihrer Tätigkeiten an die Gesellschaft outsourcen würden.
Die 76 beteiligten Autorinnen und Autoren des IPBES legten mehr als 100 Maßnahmen vor, wie die Menschheit Wege aus der Misere gehen kann. In Deutschland hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung bereits im November der Bundesregierung acht konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben, wie sie nachhaltiges Wirtschaften für Biodiversität bis 2030 zum Standard machen könnte. Auf die neuen IPBES-Vorschläge reagierten Forschungsministerin Dorothee Bär und Umweltminister Carsten Schneider in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine zentrale Zukunftsaufgabe, die wir nur gemeinsam mit einer starken Wirtschaft bewältigen können. Intakte Ökosysteme sind wichtig für Wohlstand, stabile Lieferketten und langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland“, urteilte Bär. „Die Politik kann die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize setzen, damit erfolgreiches Wirtschaften, eine intakte Umwelt und soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gehen“, ergänzte Schneider. Beide Ministerien fördern seit 2014 die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle. Nur: Warum zieht die bundesdeutsche Politik gerade so gar keine Konsequenzen, sondern schraubt die Standards in der Natur- und Umweltpolitik allerorten zurück? Da passen Reden und Handeln so gar nicht zusammen. Der IPBES fordert sehr deutlich von der Politik, eine „ermöglichende Umwelt“ zu schaffen: indem sie umweltschädigende Subventionen abbaut sowie Biodiversität und nachhaltige Nutzung incentiviert – also durch positive Anreize fördert – und vorschreibt. Zuckerbrot und Peitsche also …
Sofortiges Handeln lohnt auch wirtschaftlich
Vielfach nachgewiesen wurde, dass Nichthandeln heute die Folgekosten massiv erhöht. Auch beim Thema Wasser: Die Boston Consulting Group und der NABU nahmen den Wasserstress in Deutschland unter die Lupe. Die wirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns hier beziffern sie auf bis zu 25 Mrd. € pro Jahr. Naturbasierte und technologische Maßnahmen könnten den Wasserhaushalt des Landes bis 2040 stabilisieren – mit einem moderaten Investitionsbedarf deutlich unter den Kosten des Nichthandelns. Auch da ist also sofortiges Handeln ein Gebot der Vernunft!









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