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Boden-Kohlenstoffvorrat

Kein höherer Vorrat in Ackerböden von Ökobetrieben

Hohe Wellen schlug zum Jahresende eine Studie aus dem Thünen-Institut von Don et al. Nach dieser unterscheidet sich entgegen der verbreiteten Annahme der Boden-Kohlenstoffvorrat der Ackerflächen von Ökobetrieben nicht von dem konventioneller Betriebe. Die Studie von Don et al. untersuchte dafür zwei repräsentative Datensätze aus Deutschland mit insgesamt rund 3.000 Erhebungspunkten und führte zudem Befragungen bei den Betrieben durch.

von Nicolas Schoof erschienen am 16.01.2026
Getreideacker mit Ackerwinde ( Convolvulus arvensis ) © Julia Bächtle
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Der durchschnittliche Boden-Kohlenstoffgehalt deutscher Ackerflächen liegt nach einer KI-gestützten Bereinigung standörtlicher Unterschiede demnach bei 16,0 g C kg-1 ha-1 (öko) beziehungsweise 16,7 g C kg-1 ha-1 (konventionell). Auch der C-Vorrat unterscheidet sich nicht signifikant zwischen den beiden Betriebsformen. Diese Befunde sind auf den ersten Blick überraschend, weil zuvor eine Reihe von Untersuchungen höhere Boden-Kohlenstoffvorräte in Ökobetrieben anzeigten. Letztere Untersuchungen fanden allerdings, anders als die Studie von Don et al., auf Versuchsflächen unter Versuchsbedingungen statt, die nicht mit der landwirtschaftlichen Praxis vergleichbar sind. Die zufällige Stichprobenauswahl der Datensätze von Don et al. kann diesen Fehler nicht erzeugen und liefert repräsentative, sprich in die Praxis übertragbare Ergebnisse.

Dennoch sind die Befunde erklärungsbedürftig, denn die EU-Öko-Zertifizierung sieht unter anderem eine mineraldüngerlose Bewirtschaftung vor. Dies sollte via höherer Wirtschaftsdüngermengen eigentlich zu einem stärkeren Eintrag von Kohlenstoffverbindungen in den Ackerboden von Ökobetrieben führen. Don et al. erklären ihre Ergebnisse unter anderem damit, dass das Wachstum der Pflanzen im konventionellen Ackerbau durch den Mineraldüngereinsatz höher ist und somit nicht nur höhere Erträge erzielt werden, sondern auch eine höhere Menge Biomasse nach der Ernte auf dem Feld verbleibt und in den Boden gelangt.

Eine Schlussfolgerung der Autoren ist, dass eine Steigerung der Boden-Kohlenstoffvorräte mit einer Umstellung von konventioneller Bewirtschaftung auf eine solche nach EU-Öko-Standards unter den aktuellen Zertifizierungsanforderungen nicht stattfindet und hierfür weitere Strategien und Lösungsansätze angewendet werden müssten. Einer davon könnte beispielsweise die Förderung von Mischbetrieben sein, also Betrieben mit Ackerbau und Tierhaltung, in denen der Nährstoffkreislauf innerbetrieblich besser realisiert werden kann.

Die Studie wurde von gewissen Kreisen vereinnahmt, weil sie auf den ersten Blick Ergebnisse im Sinne konventioneller Landwirtschaft liefert. In der Tat ist der Befund für Ökobetriebe und Verfechter einer ökologischen Landwirtschaft zunächst enttäuschend. Allerdings ziehen Don et al. keine gesamtbetriebliche Klimabilanz. Es ist weiterhin sehr wahrscheinlich und mit dem Mineraldünger-Verzicht im Ökolandbau auch gut begründbar, dass Ökobetriebe in puncto Klimabilanz insgesamt nachhaltiger wirtschaften, selbst wenn ihre Ackerböden keine höheren Kohlenstoffvorräte aufweisen. Darüber hinaus zeigen etliche Studien, dass der weitreichendere Pestizidverzicht von Ökobetrieben für den Biodiversitätsschutz stark vorteilhaft ist. Wer als Konsument also „öko“ kauft, unterstützt in der Regel eine nachhaltigere Landbewirtschaftung – wenn vielleicht auch etwas weniger als erhofft.

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