
Unterwasserwiesen statt Unterwasserwüsten
Armleuchteralgen sind insbesondere für relativ nährstoffarme Hartwasserseen charakteristisch und von großem Nutzen, da sie die Wasserqualität und Biodiversität verbessern. Doch die einstigen Unterwasserwiesen sind in vielen Gewässern verschwunden oder stark vermindert. Nun sollen neue Handlungsempfehlungen Praktikerinnen und Praktiker bei der Wiederansiedlung von Armleuchteralgen unterstützen.
von Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)/Redaktion erschienen am 14.01.2026Armleuchteralgen (Characeen) sind Unterwasserpflanzen und spielen eine entscheidende Rolle für die Wasserqualität und Biodiversität vieler Seen: Sie stabilisieren den Gewässerboden, produzieren Sauerstoff, fördern die Klarheit des Wassers und bieten zahlreichen Tieren Lebensraum. In Europa sind ihre Bestände jedoch seit dem späten 19. Jahrhundert in vielen Seen stark zurückgegangen, meist durch hohe Nährstoffeinträge. Anstelle grüner Unterwasserwiesen zeigen sich dann mitunter eher Unterwasserwüsten. In den letzten Jahrzehnten wurde dieser Trend jedoch plötzlich auch in eher nährstoffarmen Seen beobachtet.
Ein Team des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) und des Fördervereins Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft e. V. (FFUS) hat nun die Ursachen für den Rückgang untersucht und mögliche Wiederansiedlungsmaßnahmen für Armleuchteralgen erprobt. Dr. Rüdiger Mauersberger, Projektleiter vom FFUS, erläutert: „In den letzten 15 bis 20 Jahren beobachteten wir in nordostdeutschen Seen teilweise drastische Rückgänge der bis dahin noch weitgehend intakten Bestände von Armleuchteralgen. Um die komplexen Ursachen systematisch zu untersuchen, entwickelten wir gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz das vorliegende Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben, das es uns ermöglichte, über vier Jahre hinweg verschiedene Wiederansiedlungsmaßnahmen in 27 kalkreichen, nährstoffarmen Hartwasserseen in Nordostdeutschland zu testen.“
Die untersuchten Maßnahmen umfassten Veränderungen der Wasserchemie in Bezug auf den Nährstoff-, Kalk- sowie den anorganischen Kohlenstoffgehalt, Anpassungen der Fischgemeinschaften sowie den Schutz der Armleuchteralgen vor Fraß. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wurde vom IGB wissenschaftlich erfasst. Das Ergebnis: In fast 80 % der Testseen wachsen wieder Armleuchteralgen.
Dr. Sabine Hilt vom IGB berichtet: „Wir verglichen die Entwicklung der Wasserchemie, Fischbestände und Armleuchteralgen in den Testseen mit denen in Vergleichsseen ohne Maßnahmen. In 77 % der Testseen verbesserten sich die Armleuchteralgen-Vorkommen, während in den neun Referenzseen während der Projektlaufzeit keine derartigen Veränderungen beobachtet wurden. Auf Basis dieser Ergebnisse sowie vorhandener Literatur entwickelten wir die Handlungsempfehlung zur Auswahl geeigneter Maßnahmen zur Wiederansiedlung von Characeen in kalkreichen, oligo- bis mesotrophen – also nährstoffärmeren – Seen in Deutschland.“
Die Handlungsempfehlungen in Kürze
In den Handlungsempfehlungen ist ein Entscheidungsschema mit 26 Entscheidungsfragen formuliert. Dieses führt die Nutzerinnen und Nutzer zu der richtigen Auswahl aus den 17 verschiedenen Maßnahmen, zu denen jeweils der Hintergrund, die Methode sowie die Erfahrungen aus dem Projekt kurz beschrieben werden. Das Entscheidungsschema richtet sich an Wasser- und Naturschutzbehörden, Kommunen, private Seen-Eigentümer und Naturschutzverbände und stellt den aktuellen Wissensstand inklusive der Wissenslücken dar. In vielen Fällen ist davon auszugehen, dass multiple Stressoren statt einzelner Faktoren zum Rückgang der Armleuchteralgen beigetragen haben. Im Entscheidungsschema wird dennoch versucht, zwischen möglichen Maßnahmen zu priorisieren, die auf Basis des aktuellen Wissensstands bei verschiedenen Ausgangssituationen empfohlen werden.
Die Handlungsempfehlungen sind als BfN-Schrift 752 erschienen. Sie können kostenlos als Pdf heruntergeladen werden.









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