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Studie in Sachsen

Wann nutzen Betriebe EU-Gelder für Naturschutz?

Eine neue Studie des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V. zeigt: Ob Landwirtinnen und Landwirte an EU-weit geförderten Maßnahmen für den Natur- und Umweltschutz teilnehmen, hängt maßgeblich von ihren persönlichen Kontakten ab. Die Studie wurde im Fachjournal „People and Nature“ publiziert.

von ZALF/Redaktion erschienen am 02.01.2026
Mehrjährige Brachflächen fördern die Biodiversität in der Agrarlandschaft, sind für landwirtschaftliche Betriebe aber finanziell herausfordernd. Ob sich Landwirtinnen und Landwirte an EU-geförderten Maßnahmen für den Natur- und Umweltschutz beteiligen, hängt maßgeblich von ihrem Netzwerk ab. © Maria Kernecker / ZALF
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Befragt wurden 70 Höfe in Nordwestsachsen – rund ein Viertel aller Betriebe der Region. Alle Teilnehmenden sind Mitglieder im Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V. Erfasst wurde, mit wem die Höfe regelmäßig im Austausch stehen – ob mit Kolleginnen und Kollegen, Verbänden, Behörden oder Firmen – und welchen Einfluss diese Kontakte auf Entscheidungen haben.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht allein finanzielle Anreize entscheidend sind, sondern vor allem der soziale Austausch im Kollegenkreis und die Beratung durch gemeinnützige Organisationen. Wer hier Unterstützung erhält, beteiligt sich deutlich häufiger an Agrarumweltmaßnahmen – ein Hinweis darauf, warum die bisherigen Programme vielerorts nur begrenzte Wirkung zeigen.

Besonders wichtig ist der Austausch im direkten Umfeld: Höfe entscheiden sich eher für Naturschutzprogramme, wenn Kolleginnen und Kollegen in ihrer Nähe bereits teilnehmen. „Wir konnten zeigen, dass Unterstützung durch persönliche Kontakte ein entscheidender Faktor für die Teilnahme ist“, sagt Dr. Maria Kernecker vom ZALF. „Wenn es gelingt, diesen Austausch zu fördern, können mehr Betriebe für Naturschutzmaßnahmen gewonnen werden.“

Rolle von großen und kleinen Betrieben

Vor allem große Betriebe spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie haben Erfahrung sowohl mit intensiver Produktion als auch mit Naturschutzmaßnahmen und können ihr Wissen weitergeben. Kleinere Höfe orientieren sich allerdings weniger an großen Nachbarn, sondern stärker an Betrieben ähnlicher Größe – auch hier zählt der direkte Kontakt. Reine Ackerbaubetriebe beteiligen sich besonders selten an Naturschutzprogrammen, im Gegensatz zu Misch- und Grünlandbetrieben mit Wiesen und Weiden. Das liegt daran, dass Maßnahmen wie Blühstreifen oder vielfältige Fruchtfolgen im Ackerbau schwerer in den Betriebsablauf passen und Erträge mindern können. Hinzu kommt, dass sich diese Betriebe oft an großen Agrarfirmen orientieren, deren Beratung stärker auf Produktion als auf Naturschutz ausgerichtet ist.

Die Forschenden schließen daraus: Damit mehr Höfe an Agrarumweltmaßnahmen teilnehmen, sollten große Betriebe ermutigt werden, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Gemeinnützige Organisationen und öffentliche Beratungsstellen brauchen zudem bessere Ausstattung, um zu Produktion und Naturschutz gleichermaßen beraten zu können. Und nicht zuletzt zeigt die Studie, dass gegenseitige Unterstützung im Kollegenkreis ein entscheidender Hebel ist, um Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft zu verbreiten.

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