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Interview mit dem „Vogelphilipp“

Wer singt denn da?

Mit der „Vogelstimmenhotline mit dem Vogelphilipp“ gibt Vogelexperte Philipp Herrmann seit dem Jahr 2016 per WhatsApp Auskunft, wer da gerade singt – eine Vogelbestimmung per Sprachnachricht. Rund 15.000 Anfragen hat Herrmann seitdem beantwortet. Im Jahr 2022 musste das Projekt aus Zeitgründen ruhen – jetzt ist der Vogelphilipp mit seinem Lieblingsprojekt zurück. Wir haben mit ihm gesprochen.

von Julia Schenkenberger erschienen am 14.03.2024
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Zur Person
Philipp Herrmann
hat nach dem Abitur Zivildienst auf einer Vogelstation in Hamburg gemacht, gefolgt von zwei Praktika im Naturpark Berchtesgaden und Ghana in Bernburg. Anschließend hat er „Naturschutz und Landschaftsplanung“ auf Diplom studiert und dann noch dem Master gemacht. Derzeit arbeitet er beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern.
Redaktion: Philipp, du nennst dich „Vogelphilipp“. Hast du dir diesen Spitznamen selbst gegeben? Philipp Hermann: Der Name ist in der Skater-Clique in meiner Jugend entstanden. Da waren insgesamt vier Philipps unterwegs – jeder hatte seinen Spitznamen, einer beispielweise benannt nach seiner Band und ich eben nach der Vogelwelt. Also warst du schon als Kind an der Vogelwelt interessiert? Genau. Ich war eher der „nerdige“ Junge, der schon vor der Schule allein zum Vögel beobachten gegangen ist. Im Freundeskreis war hingegen Skateboardfahren angesagt. Zuhause und im Urlaub bin ich stundenlang mit dem Fernglas durch die Natur gestreift und hab den Vögeln beim Singen und Nestbauen zugeschaut. Die CD „Stimmen der Vögel Mitteleuropas“ lief bei mir oft neben dem Bett zum Einschlafen. Auch beruflich hast du dich für den Vogelschutz entschieden. Was machst du, wenn du nicht gerade Vögel am Gesang erkennst? Ich arbeite seit zwei Jahren beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern als stellvertretender Referatsleiter im Referat Artenschutz. In meinem Team koordinieren wir u.a. das Monitoring häufiger Brutvögel und den ersten bayerischen Wintervogelatlas, sind in die Citizen-Science Projekte „DawnChorus“ und „Kleiner Specht – große Rolle“ involviert und entwickeln Artenkenntniskurse zu Vögeln und Schmetterlingen. In Zusammenarbeit mit der Naju setzen wir uns speziell für die Artenkenntnisausbildung und die Vernetzung von Kindern und Jugendlichen mit fortgeschrittenem Naturwissen ein. Was mich sehr freut: Die Naju im LBV veranstaltet 2024 sogar zwei Artenkenntnis-Wochenenden, bei denen sich junge Leute in verschiedenste Artengruppen einarbeiten können.
Philipp Hermann
Philipp Hermann © Alexey Testov
Du bietest schon seit 2016 die Vogelbestimmung über WhatsApp an. Wie kam es dazu? Meine Frau hat damals mit ihren Freundinnen hauptsächlich über WhatsApp mit Sprachnachrichten kommuniziert und ich hab mich gefragt, ob das wohl auch mit Vogelstimmen funktioniert. Nach mehreren Tests im Bekanntenkreis war klar, dass das bestens klappt. Dann hab ich den Namen erfunden und Schilder im Park aufgestellt, um auf die Vogelstimmenhotline hinzuweisen. Ziel war es, Menschen mit Naturinteresse zu begeistern, die noch keine Ahnung von Vogelstimmenbestimmung haben. Im Jahr 2019 schrieb ich dann meine Masterarbeit über das Thema und stellte mit der Befragung der Teilnehmer fest, dass ich genau das erreicht habe. Was ist neu in diesem Jahr? Die Vogelstimmenhotline läuft erstmals deutschlandweit, bisher war sie eigentlich auf Bayern beschränkt, da ich sie von 2017 bis 2022 zusammen mit dem BUND Naturschutz in Bayern durchgeführt hatte. Sie funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip wie früher: Die Menschen nehmen per WhatsApp-Sprachnachricht die Vogelstimmen auf und ich bestimme sie. Die Aktion läuft vom 1. bis zum 30. April. Währenddessen und danach kann man zudem einfach nur „#Vogelkunde“ an die gleiche Nummer schicken und bekommt dann einen Link zu meinem neuen WhatsApp Kanal „Vogelkunde“ auf dem ich das ganze Jahr Wissenswertes über Vögel und Tipps zum Lernen von Vogelstimmen poste.
Welche Resonanz erwartest du? Ich nehme an, dass dieses Thema nach wie vor Anklang findet, auch wenn sich Vogelstimmen-Bestimmungsapps wie „Merlin“ verbessert haben. Wenn es gut läuft, werden es wieder über 2000 Personen, die sich bei mir in einem Monat melden. Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. An einem Osterfeiertag bei schönem Wetter hatten mich in den letzten Jahren bis zu 200 Leute pro Tag kontaktiert. Da war ich dann schon ordentlich beschäftigt! Das ist ein enormer zeitlicher Aufwand. Was motiviert dich? Ich möchte neue, kreative Wege im Naturschutz gehen und meine eigene Faszination für die Vogelstimmen weitergeben, um Menschen für unsere heimische Natur zu begeistern.
Es gibt inzwischen auch Apps zur Vogelstimmenerkennung. Wieso bestimmst du trotzdem selbst? Es gibt gute Apps wie „Merlin“ zur automatischen Vogelbestimmung per KI, aber die sind noch nicht perfekt. Nebengeräusche machen der Technik noch Probleme. Außerdem kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Apps helfen zwar bei der Bestimmung, aber der Lerneffekt hält sich in Grenzen. Ich sehe die Vogelstimmenhotline eher als Mentoring. Die Leute freuen sich total, dass sie direkten Kontakt mit einem Experten haben. Viele begleite ich jetzt schon über mehrere Jahre hinweg und einige davon haben total Feuer gefangen. Sie sind nach drei Jahren schon so gut, dass sie inzwischen ehrenamtlich bei Monitoring-Programmen mitarbeiten. Gleichzeitig lerne auch ich sehr viel: Ich bekomme mit, was Menschen draußen wahrnehmen und hätte beispielsweise nie gedacht, dass vielen die Rufe des Pirols auffallen. Was war das Ungewöhnlichste, was du bisher gehört hast? Am ungewöhnlichsten war ein Ruf, der an einen Greifvogel erinnerte, immer dreimal hintereinander. Ich bin erst nach zwei Jahren dank eines Kollegen darauf gekommen, was das Geräusch verursacht hatte: eine Vogelschreckanlage! Und beim Teichhuhn war ich selbst überrascht, dass es so variabel ist in den Rufen. Bei solchen ungewöhnlichen Vogelstimmen stehe ich deshalb immer auch mit anderen Experten im Austausch. In dieser Gruppe schicken wir uns dann sehr schwierige Stimmen und Rufe gegenseitig zu. Zu guter Letzt: Wie können Interessierte dich erreichen? Man kann mir direkt an die Vogelstimmenhotline (0151/290 686 00) eine Sprachnachricht mit einer Vogelstimme schicken. Wer den Tag #Vogelkunde auf die Nummer schickt, bekommt von mir den Link zum WhatsApp-Kanal, über den ich das ganze Jahr Interessantes über Vögel poste. Philipp, vielen Dank und viel Erfolg für die Vogelstimmenhotline!
Kontakt

Philipp Hermann

„Vogelphilipp“

Tel.: 0151/290 686 00

www.dervogelphilipp.de

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