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Aquatische und semi-aquatische Pflanzenarten

Steinbruchgewässer fördern die Diversität

Steinbruchgewässer sind artenreiche Sekundärlebensräume mit hoher naturschutzfachlicher Bedeutung. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sie für aquatische und semi-aquatische Pflanzenarten – darunter zahlreiche gefährdete Taxa – häufig bessere Habitatbedingungen bieten als vergleichbare Gewässer im Umland. Entscheidend sind offene, gut besonnte Strukturen, ausgeprägte Wasserstandsdynamik und große semi-aquatische Zonen.

von Prof. Dr. Thomas Fartmann (Universität Osnabrück) erschienen am 18.02.2026
Artenreiches Steinbruchgewässer mit ausgeprägter semi-aquatischer Zone © Marcel Kettermann
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Kleine Stillgewässer spielen eine zentrale Rolle für die Artenvielfalt unserer Landschaft. In Mitteleuropa sind sie jedoch aufgrund von Verfüllung, Entwässerung und Eutrophierung stark zurückgegangen. Entsprechend sind zahlreiche aquatische und semi-aquatische Pflanzenarten, die auf nährstoffarme, besonnte und dynamische Bedingungen angewiesen sind, zunehmend gefährdet.

Kalksteinbrüche haben sich in den letzten Jahrzehnten als wichtige Sekundärlebensräume für diese Artengruppen erwiesen. Bislang fehlten jedoch systematische Untersuchungen zur Bedeutung von Steinbruchgewässern für die Phytodiversität (Gefäßpflanzen, Moose und Armleuchteralgen). Aus diesem Grund wurden in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt Steinbruchgewässer und Kleingewässer in der umgebenden Landschaft detailliert miteinander verglichen.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Global Ecology and Conservation“ publiziert und zeigt, dass die Gewässer in Steinbrüchen eine deutlich höhere Habitatqualität aufwiesen als die Vergleichsgewässer. Sie waren stärker besonnt und wiesen ausgeprägtere Wasserstandsschwankungen, größere semi-aquatische Zonen sowie eine höhere Strukturvielfalt auf. Diese Faktoren begünstigten eine außergewöhnlich hohe Vielfalt aquatischer und semi-aquatischer Pflanzenarten. Darunter waren zahlreiche gefährdete Taxa, die in Steinbruchgewässern deutlich häufiger auftraten oder ausschließlich dort nachgewiesen wurden. Als wichtigste Einflussgrößen für eine hohe Phytodiversität erwiesen sich die Dauer der Sonneneinstrahlung, die strukturelle Vielfalt des Gewässers und die Ausdehnung der semi-aquatischen Zone. Alle drei Faktoren wirkten sich positiv auf die Artenvielfalt aus, während eine erhöhte Leitfähigkeit – als Hinweis auf Nährstoffbelastung – insbesondere die Zahl gefährdeter Moosarten verringerte.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen den hohen naturschutzfachlichen Wert von Steinbrüchen und ihren Gewässern. Vor allem offene und gut besonnte Bedingungen sowie eine ausgeprägte Habitatheterogenität machen sie zu wichtigen Lebensräumen für gefährdete Pflanzenarten. Um diesen Lebensraumtyp langfristig zu erhalten, sollten nach Nutzungsende weder Verfüllung noch vollständige Flutung erfolgen. Stattdessen wird empfohlen, innerhalb der Abgrabungen eine große Vielfalt an temporären und permanenten Gewässern zu schaffen und bei Bedarf fortschreitende Sukzession durch Oberbodenabtrag und selektive Gehölzentfernung zu unterbinden, um offene, sonnige Bedingungen langfristig zu sichern.

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