Digitalisierung in Erholungsnutzung und Outdoorsport als Herausforderung
Abstracts
Die steigende Beliebtheit digitaler Medien macht sich auch in den Bereichen der Erholungsnutzung und des Outdoorsports bemerkbar. Besucher von Schutzgebieten nutzen digitale Medien, unter anderem um Aktivitäten zu planen, zur Orientierung und Navigation im Gelände oder um Erlebnisse mit Freunden und Bekannten auf Online-Plattformen zu teilen. Daraus entstehen besondere Herausforderungen für Schutzgebiete. So kann die mangelnde Kontrolle von Inhalten und infolgedessen die Verbreitung unvollständiger oder fehlerhafter Informationen zur Missachtung von Schutzbestimmungen und dadurch zu einer Gefährdung der Schutzgüter führen. Insbesondere in Nationalparks, die strengen Schutzvorschriften unterliegen und gleichzeitig Erholungsnutzung ermöglichen sollen, können dadurch Konflikte entstehen. Digitales Besuchermanagement stellt sich diesen Herausforderungen, indem es sich mit der Information, Lenkung und dem Monitoring von Besuchern im Kontext digitaler Medien befasst. Von Relevanz können verschiedenste Online-Angebote sein, von Kartendiensten über Tourenportale und soziale Netzwerke bis hin zu Geocaching, elektronischen Guides oder eigenen Schutzgebiets-Apps. Gleichzeitig können solche Plattformen zur Verbreitung schutzgebietsrelevanter Inhalte genutzt oder als Datenquelle für das Besuchermonitoring herangezogen werden. Dieser Artikel stellt Praxisbeispiele aus dem digitalen Besuchermanagement, schwerpunktmäßig aus dem Nationalpark Bayerischer Wald, sowie erste Ergebnisse aus dem digitalen Besuchermonitoring vor.
The challenge of recreational activities and outdoor sports – The way to digital visitor management in protected areas
The growing popularity of digital media is also evident in the fields of recreational activities and outdoor sports. Visitors to protected areas use digital media, for example, to plan activities, for orientation and navigation in the field, and to share experiences with friends and relatives via online platforms. This development has led to challenges for protected areas because of the lack of control over content and thus the potential dissemination of incomplete or incorrect information. Both can encourage violations of regulations governing protected areas and thereby threaten protected resources. Such conflicts may arise in particular in national parks, which are subject to strict protection regulations but should allow recreational use at the same time. Digital visitor management can address these issues by offering relevant information, visitor guidance, and monitoring of visitors in the context of digital media. Relevant digital media services range from online maps, outdoor platforms, and social networks to geocaching, electronic guides, and apps for use in protected areas. Such platforms can also be used to disseminate relevant content about protected areas or as a source of data for visitor monitoring. This article illustrates practical examples from digital visitor management, mainly from the Bavarian Forest National Park, as well as some initial results from digital visitor monitoring.
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Von Julia Zink, Florian Porst, Franz Leibl und Marco Heurich
Eingereicht am 05. 05. 2021, angenommen am 07. 03. 2022
1 Einleitung
Die Natur genießt in Deutschland einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert (Nürnberg et al. 2020). Dies spiegelt sich unter anderem in dem wachsenden Interesse an Aktivitäten in der Natur und dem Wunsch nach authentischen Naturerlebnissen wider (Clivaz 2013). In Schutzgebieten und insbesondere in Nationalparks bieten sich Besuchern ebensolche authentischen Naturerlebnisse, daher stellen diese Gebiete beliebte Ziele für Tourismus und Erholungsnutzung dar (Mayer & Woltering 2017). Dies zeigt sich auch in den steigenden Besuchszahlen in Nationalparks weltweit (Dupke 2019). Insbesondere während der Corona-Pandemie sind in einigen Schutzgebieten die Besuchszahlen stark gestiegen, was die Schutzgebietsverwaltungen vor große Herausforderungen stellte (McGinlay et al. 2020, Rutz et al. 2020). Erholungsnutzung in Schutzgebieten hat dabei diverse ökologische und soziale Effekte auf die Schutzgüter, die Wirtschaft, die lokale Bevölkerung und die Besucher selbst (Leung et al. 2018). Neben ökonomischen Effekten und regionaler Wertschöpfung, also der Generierung von Einkommen und Arbeitsplätzen in der Region, können Schutzgebiete zu einer Erhöhung des Naturbewusstseins in der Bevölkerung beitragen und positive Effekte auf das Wohlbefinden der Menschen mit sich bringen (Eagles et al. 2002, Leung et al. 2018). Demgegenüber stehen negative Auswirkungen auf die Umwelt und Gesellschaft, etwa durch Trittschäden, Stoffeinträge, Störungen von Wildtieren oder zwischenmenschliche Konflikte (Leung et al. 2018). Nationalparks sind davon in besonderer Weise betroffen, da hier naturschutzfachliche Zielsetzungen im Vordergrund stehen, gleichzeitig aber die Erholung und Bildung des Menschen ermöglicht werden soll (§ 24 BNatSchG). Daher ist das Besuchermanagement eine der zentralen Aufgaben eines Nationalparks (Dupke 2019, Eagles et al. 2002, Job et al. 2016 b, Leung et al. 2018).
Das Besuchermanagement in Schutzgebieten hat das Ziel, das Miteinander von Mensch und Natur so verträglich wie möglich zu gestalten. Negative Aspekte des Besucherdrucks sollen minimiert werden, während eine Maximierung der positiven Effekte durch die Erholungsnutzung angestrebt wird (Arnberger 2013, Leung et al. 2018). Die Instrumente und Maßnahmen des Besuchermanagements reichen vom Monitoring der Besucher über weiche Maßnahmen (etwa Öffentlichkeitsarbeit, Information, Angebotsgestaltung, Beschilderung von Wegen) bis hin zu harten Maßnahmen (etwa Ver- und Gebote, Strafen, Sperrungen, Limitierungen, Bepreisung von Angeboten) (Arnberger 2013, Clivaz 2013, Eagles et al. 2002, Job et al. 2016 b).
Mit dem Voranschreiten der Digitalisierung gewinnen das Internet und neue Medien in immer mehr Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens an Bedeutung. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung nutzt das Internet, das satellitengestützte GPS-Signal ist weltweit verfügbar und Smartphones sind in nahezu allen Bevölkerungsschichten weit verbreitet (Beisch & Schäfer 2020, Gram-Hansen 2009, Schuler 2019). Dabei vereinen Smartphones viele verschiedene Funktionen miteinander, unter anderem ermöglichen sie die Nutzung des GPS-Signals und das Aufnehmen von Fotos und Videos in Kombination mit dem Internet (Schuler 2019, Valenzuela 2020).
Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass die Digitalisierung auch in den Bereichen der Erholungsnutzung und des Outdoorsports heutzutage eine bedeutende Rolle spielt. Aufbauend auf den technologischen Möglichkeiten hat sich im Internet eine ganze Bandbreite an Angeboten für Abenteuer- und Erholungssuchende entwickelt. Diese reicht von Kartendiensten über Geocaching bis hin zu Tourenportalen für unterschiedlichste Zielgruppen. Zudem gibt es inzwischen sehr viele Wander- und Navigations-Apps für verschiedene Ansprüche. Dazu kommt eine fast unüberschaubare Anzahl von Foren, Blogs und Social-Media-Gruppen, in denen Tipps und Routen mit anderen Nutzern ausgetauscht werden (Hennig 2013, Ong & Ito 2019). Für Schutzgebiete bringen diese technologischen Entwicklungen und die verstärkte Nutzung digitaler Medien Probleme, aber auch Vorteile mit sich (Eagles 2004, Leung et al. 2018).
Dieser Artikel soll die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für das Besuchermanagement in Schutzgebieten sowie erste Erfahrungen aus dem digitalen Besuchermonitoring vorstellen. Im Fokus stehen Beispiele aus dem Nationalpark Bayerischer Wald, die sich aber auch auf andere Schutzgebiete übertragen lassen.
2 Was ist digitales Besuchermanagement und warum ist es relevant?
Auch bei Aktivitäten in der Natur werden digitale Medien von vielen Besuchern vor, während und nach dem Ausflug genutzt, um Informationen abzurufen oder zu sammeln, Aktivitäten zu planen, im Gelände zu navigieren und Erlebnisse anschließend mit Freunden und Bekannten zu teilen (Behrens-Egge & Schuler 2018, Valenzuela 2020). Im Rahmen einer Besucherbefragung in den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava aus den Jahren 2017/18 wurde die Nutzung digitaler Informationsquellen zur Informationsbeschaffung über den Nationalpark ermittelt. Im Nationalpark Bayerischer Wald gaben 66 % der Befragten an, mindestens eine digitale Informationsquelle genutzt zu haben, im Nationalpark Šumava lag dieser Anteil bei 84 %. Dabei gehören die Website des Nationalparks, die Website der Region, Tourenportale und Apps (wie etwa Outdooractive) zu den bekanntesten und meistgenutzten digitalen Informationsquellen. Zudem führen 24 % (Bayerischer Wald) und 61 % (Šumava) der Befragten ihr Smartphone während des Besuchs mit sich und nutzen dieses auch unterwegs zur Beschaffung von Informationen über das Gebiet (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2020). Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und des starken Nutzerwachstums einiger Online-Plattformen ist inzwischen von einer noch stärkeren Nutzung digitaler Medien zur Informationsbeschaffung vor und während des Besuchs im Nationalpark auszugehen.
Allerdings kann die verstärkte Nutzung digitaler Medien in Schutzgebieten, in denen der Schutz der Natur im Vordergrund steht, zu Konflikten führen. Viele Besucher verlassen sich auf die technische Unterstützung durch Smartphone und GPS und werden daher unabhängiger von konventioneller, lenkender Besucherinfrastruktur. In der Folge verlieren Wegweiser und Orientierungstafeln an Bedeutung, sodass sich Besucher zunehmend den klassischen Instrumenten des Besuchermanagements entziehen. Dadurch werden Besucher vor Ort weniger lenkbar (Job et al. 2016 b, Valenzuela 2020). Zudem können mangelnde oder fehlerhafte Informationen über Schutzgebiete und dort geltende Verhaltensregeln dazu beitragen, dass diese nicht ausreichend berücksichtigt werden. Infolge des Fehlverhaltens von Besuchern kann dies wiederum zu einer Gefährdung der Schutzgüter oder der Besucher selbst führen (Leung et al. 2018, Moczek et al. 2020, Porzelt 2019, Valenzuela 2020, Winter et al. 2020).
Gleichzeitig besteht großes Interesse an der Nutzung digitaler Medien, beispielsweise zur Navigation im Gelände (Behrens-Egge & Schuler 2018) oder um über Schutzgebiete informiert zu werden (Nürnberg et al. 2020). Daher können Informationen über Schutzgebiete in digitalen Kanälen vermittelt und somit eine breite Nutzergruppe für die Anliegen von Schutzgebieten sensibilisiert werden (Eagles 2004, Leung et al. 2018). Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass sich Schutzgebietsverwaltungen mit digitalen Medien im Besuchermanagement auseinandersetzen, um einerseits Konflikte zu minimieren und andererseits Potenziale und Chancen für ein digitales Besuchermanagement auszuschöpfen (Porzelt 2019, Watson et al. 2016, Winter et al. 2020).
Digitales Besuchermanagement befasst sich mit der Information, der Lenkung und dem Monitoring von Besuchern im Kontext digitaler Medien. Für Schutzgebiete ist dabei eine breite Palette digitaler Medien von Relevanz. Grundsätzlich gibt es verschiedene Formate, in denen Inhalte vermittelt werden können. Dazu gehören Fotos, Videos, Texte, Audio-Dateien (etwa Podcasts oder Audioguides), Geoinformationen (etwa Karten, Routen, Koordinaten zu POIs) oder Anwendungen im Bereich Augmented und Virtual Reality. Diese Formate wiederum sind auf verschiedenen Plattformen zu finden, auf denen Inhalte verbreitet werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um Kartendienste und Geodatenbanken, Routenplaner, Tourenportale, Social Media, verschiedene Apps und Websites (sowohl von Schutzgebietsverwaltungen als auch von anderen Betreibern), Blogs und Foren, Geocaching-Plattformen oder eGuides (Abb. 1).
Das digitale Besuchermanagement umfasst eine Reihe praktischer Maßnahmen, wie etwa die Bearbeitung von Geodatenbanken zur korrekten Darstellung von Flächen und Wegen (Hennig 2017), das Bereitstellen von Inhalten und Informationen zum Schutzgebiet (Hennig et al. 2013, Job et al. 2016 b, Leung et al. 2018), die Kommunikation mit Betreibern und Nutzern digitaler Angebote (Eagles 2004, Watson et al. 2016, Winter et al. 2020) oder die Nutzung von Daten für das Monitoring der Besucher des Schutzgebietes (Ghermandi & Sinclair 2019, Teles da Mota & Pickering 2020). Jedoch ist digitales Besuchermanagement nicht isoliert, sondern in engem Zusammenhang zu klassischen Methoden des Besuchermanagements (Arnberger 2013, Eagles et al. 2002) zu betrachten, sodass sich beide Bereiche idealerweise ergänzen.
3 Digitales Besuchermanagement in der Praxis
Aus der zunehmenden Verbreitung und teilweise enormen Reichweite digitaler Angebote ergeben sich sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Großschutzgebiete, auf die im Folgenden anhand von Praxisbeispielen eingegangen werden soll. Dabei werden Beispiele aus verschiedenen Schutzgebieten vorgestellt, im Fokus stehen solche aus dem Nationalpark Bayerischer Wald, die aufgrund von Praxiserfahrungen in der Schutzgebietsarbeit als besonders relevant angesehen werden. Durch die überregionale Relevanz der Thematik und die Generalisierbarkeit vieler Anwendungen und Maßnahmen in diesem Kontext sind die aufgeführten Praxisbeispiele auch auf andere Gebiete übertragbar.
3.1 Social Media
Zu den am häufigsten genutzten sozialen Netzwerken mit großer Relevanz für Schutzgebiete (außer Instant Messaging) gehören Facebook, YouTube und Instagram (Beisch & Schäfer 2020, Schuler 2019). Das Grundprinzip sozialer Netzwerke besteht darin, Inhalte (meist in Form von Fotos, Videos oder Texten) zu posten, die von anderen Nutzern bewertet und kommentiert werden können. Die Postings können von den Nutzern mit Hashtags (thematische Schlagworte) oder Geotags (Zuordnung zu Koordinaten) versehen werden, wobei das Setzen von Hashtags und Geotags auf freiwilliger Basis erfolgt. In einigen sozialen Netzwerken gibt es auch Gruppen, in denen sich Nutzer über bestimmte Themen (etwa Outdooraktivitäten) austauschen.
Für Schutzgebiete sind soziale Medien zum Beispiel dann problematisch, wenn bestimmte Orte, die meist zuvor kaum besucht waren, infolge ihrer Beliebtheit im Internet einen regelrechten Besucheransturm erfahren (Valenzuela 2020). Dies kann negative Folgen für die Umwelt mit sich bringen, vor allem wenn Regeln zum Schutz der Natur von den Besuchern missachtet werden (etwa hinsichtlich Wegegebot, Wegesperrungen und Einschränkungen bestimmter Nutzungsarten). Mittlerweile gibt es eine Reihe an Beispielen für derartige Entwicklungen, so zum Beispiel die Königsbachfälle im Nationalpark Berchtesgaden. Dort haben Veröffentlichungen in sozialen Medien zu einem massiven Besuchsaufkommen geführt. Infolge der starken Frequentierung an diesem zuvor kaum besuchten Ort wurde die Umgebung in Mitleidenschaft gezogen, es bildeten sich zahlreiche Trampelpfade und es kam zu Schäden an der Vegetation. Zusätzlich wurden von einem Teil der Besucher die gültigen Nationalparkregeln missachtet (etwa durch Hinterlassen von Müll, Lagerfeuer machen, Übernachten in der Natur, Drohnenfliegen) (Moczek et al. 2020, Nationalparkverwaltung Berchtesgaden 2021). Gleichzeitig können soziale Medien von Schutzgebieten als Kommunikationsmedium genutzt werden, um Nutzer über Flora und Fauna, Verhaltensregeln, Tourenvorschläge, Veranstaltungen und sonstige Inhalte zum Schutzgebiet zu informieren (Hennig et al. 2013, Leung et al. 2018).
3.2 Tourenportale
Tourenportale sind Online-Plattformen, bei denen Outdooraktivitäten wie Wandern, Radfahren und Skitourengehen im Fokus stehen. Dabei handelt es sich um multifunktionale Websites, meist mit einer Kartenansicht und integrierten Werkzeugen zur Tourenplanung und Tourensuche sowie zum Aufzeichnen und Teilen von Touren. In aller Regel stellt der Betreiber des Tourenportals eine dazugehörige App für den mobilen Gebrauch zur Verfügung (Campelo & Mendes 2016, Norman & Pickering 2017). Jedes Tourenportal hat seine Besonderheiten und verfügt meist über zusätzliche Funktionen, die über die genannten Kernfunktionen hinausgehen. Dabei sind viele Tourenportale in ihrem Funktionsumfang so ausgestaltet, dass sie alle Aspekte eines Outdoorerlebnisses abdecken können. Dieses beginnt damit, dass sich Nutzer anhand vorhandener Beispiele und Tourenvorschläge inspirieren lassen, sich über mögliche Aktivitäten informieren und diese online planen. Bei der Tourenplanung werden eigene Routen individuell zusammengestellt oder bereits vorhandene Tourenvorschläge übernommen. Während der Aktivität können Tourenportale und dazugehörige Apps genutzt werden, um im Gelände zu navigieren oder um Aktivitäten aufzuzeichnen und zu dokumentieren. Im Anschluss werden Erlebnisse auf den Plattformen hochgeladen und können mit anderen Nutzern geteilt werden (Behrens-Egge & Schuler 2018). Durch das Teilen der Aktivitäten und den Austausch mit anderen Nutzern fungieren einige Tourenportale ähnlich wie ein soziales Netzwerk. Durch den Austausch georeferenzierter Daten ist eine sehr genaue Beschreibung von Orten und Routen im Gelände möglich (Wong et al. 2017).
Georeferenzierte Daten, insbesondere Routendaten, nehmen bei Tourenportalen eine zentrale Rolle ein. Zum Austausch von Routendaten hat sich das Dateiformat GPX (GPS Exchange Format) etabliert. Diese Datei enthält den Streckenverlauf in Form von miteinander verbundenen Wegpunkten. Routen können also mithilfe von Tourenportalen geplant oder aufgezeichnet und mit anderen Nutzern geteilt werden, die den Streckenverlauf anhand der GPX-Datei detailliert nachvollziehen können.
Bekannte Beispiele für Tourenportale im deutschsprachigen Raum sind unter anderem Komoot, Outdooractive, Bikemap, AllTrails und Strava. Auf diesen Portalen sind viele Millionen Nutzer registriert, außerdem werden einige Portale von verschiedenen Organisationen (vor allem Tourismusorganisationen und Verbände) als Plattform zur Verbreitung ihrer Inhalte genutzt. Hinzu kommen millionenfache Downloadzahlen der dazugehörigen Apps, sodass diese Tourenportale über eine enorme Reichweite verfügen (Tab. 1).
Durch die unterschiedlichen Ausrichtungen der Portale entstehen ebenso unterschiedliche Arten von Inhalten (Content), der auf den Plattformen zu finden ist. Den wahrscheinlich größten Anteil macht User Generated Content (UGC) aus, dabei handelt es sich um Inhalte, die von Nutzern des Portals erstellt und hochgeladen wurden (Heikinheimo et al. 2017, Hennig 2017, Job et al. 2016 b). Daneben gibt es professionellen Content, der von Partnern oder Kunden des Portals stammt. Häufig handelt es sich bei den Partnern um Tourismusorganisationen oder Verbände, welche die Plattformen und die damit verbundene Reichweite zur Darstellung von Touren und Ausflugszielen nutzen (Job et al. 2016 b, Outdooractive GmbH 2021, Wermescher 2020 b). Eine Sonderform des Contents stellt Smart Content dar, der lediglich bei der Plattform Komoot zu finden ist. Hierbei werden Tourenvorschläge mithilfe eines Algorithmus berechnet. In die Berechnung fließen verschiedene Faktoren ein, unter anderem basieren die Tourenvorschläge auf den Aktivitäten anderer Nutzer, Highlights (von Nutzern erstellte Points of Interest – POIs) und deren Bewertungen sowie dem zugrundeliegenden Kartenmaterial (OpenStreetMap – OSM) und den dort hinterlegten Informationen (Wermescher 2020 b).
Für das Hochladen von Inhalten ist in der Regel nur eine (meist kostenlose) Registrierung erforderlich, eine Kontrolle der Inhalte vor deren Veröffentlichung findet nicht statt. Dadurch sind häufig fehlerhafte oder unvollständige Informationen zum Routenverlauf, der Zugänglichkeit von Orten und zu Einschränkungen für bestimmte Nutzergruppen vorhanden. Dies führt dazu, dass auch Touren online gestellt werden, die im Konflikt mit Naturschutzzielen stehen oder aufgrund naturschutzrechtlicher Regelungen sogar verboten sind. Diese werden dann oftmals von weiteren Nutzern begangen oder befahren, was zu einer erhöhten Frequentierung besonders störungsempfindlicher Bereiche innerhalb der Schutzgebiete führen kann. Da innerhalb von Tourenbeschreibungen nur selten auf den Schutzstatus des Gebietes hingewiesen wird, sind sich viele Nutzer oftmals gar nicht bewusst, dass ihr Verhalten der Natur schadet oder sie gegen geltende rechtliche Bestimmungen verstoßen (Job et al. 2016 b).
Gleichzeitig können Tourenportale von Schutzgebietsverwaltungen als Plattform genutzt werden, um eigene Inhalte einer großen Nutzergruppe zur Verfügung zu stellen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verbreitungsmechanismen (wie Printmedien, eigene Homepage oder App) haben Tourenportale in der Regel eine deutlich höhere Reichweite. Inhalte werden also in die Kanäle eingespeist, die ohnehin schon stark genutzt werden. Durch das Bereitstellen korrekter und qualitativ hochwertiger Inhalte rücken diese in den Vordergrund und können dazu beitragen, nicht schutzgebietskonforme Inhalte zu verdrängen. Abhängig von den im Tourenportal vorhandenen Funktionen können außerdem weitere schutzgebietsrelevante Inhalte (etwa Informationen zum Gebiet, Verhaltensregeln, Sperrungen) kommuniziert und Nutzer somit rechtzeitig informiert und auch sensibilisiert werden (Abb. 2). Hierbei können, je nach Plattform, für die Einrichtung und den Betrieb der Accounts Kosten anfallen.
Neben Tourenportalen und sozialen Netzwerken gibt es auch eine Reihe an Blogs und Foren, die Aspekte aus beiden Bereichen (Tourenportale und soziale Medien) aufgreifen. So werden dort in der Regel Erfahrungen über Aktivitäten ausgetauscht, häufig auch in Verbindung mit dem Download von GPX-Dateien. Zwar sind solche, teilweise von Privatpersonen betriebenen Blogs in der Regel weniger nutzerstark im Vergleich zu den bekannten Tourenportalen, trotzdem können sie zumindest auf regionaler Ebene eine hohe Bekanntheit und somit auch Reichweite ihrer Inhalte erzielen.
3.3 OpenStreetMap
OpenStreetMap (OSM) ist eine offene Datenbank, in der Geodaten gesammelt werden und unter einer freien Lizenz zur Verfügung stehen. Vergleichbar mit Wikipedia handelt es sich bei OSM um ein offenes Projekt, das heißt, die Daten können von jedem erstellt, bearbeitet und geteilt werden (Basiri et al. 2016, Hennig 2017, Loidl et al. 2014). Hinter OSM steht eine weltweit aktive Community, bestehend aus 7,8 Mio. registrierten Mitgliedern, welche die Daten erstellen und bearbeiten (OpenStreetMap Wiki contributors 2021). Die Open Database License, unter der die OSM-Daten zur Verfügung stehen, sowie die weltweite Datenverfügbarkeit machen die Datenbank für zahlreiche Tourenportale, Kartendienste sowie andere Websites und Apps attraktiv. So hat sich OSM in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Kartengrundlagen entwickelt (Hennig 2017, Loidl et al. 2014).
Eine Vielzahl von Kartendiensten, Outdoor-Apps und zugehörige Routenplaner greifen auf OSM und die dort hinterlegten Informationen zurück (etwa Komoot, AllTrails, OsmAnd, mapy.cz, Bikemap, Strava). Relevant hierfür sind neben der Geometrie der Objekte die dazugehörigen Tags, also sämtliche Attribute, welche die Objekte (etwa ein Weg) näher beschreiben. Mithilfe von Tags können unter anderem Informationen über auf Wegen zulässige Nutzungen, Verbote und zeitliche Nutzungsbeschränkungen, aber auch zu Schutzgebieten und anderen Flächen bis hin zu einzelnen Wegweisern, Informationstafeln oder Sitzgelegenheiten hinterlegt werden (Hennig 2017). Diese Informationen, insbesondere zu Wegen und Straßen sowie dort erlaubten Nutzungen und Beschränkungen, werden von Routenplanern ausgelesen und können die Berechnung der vorgeschlagenen Route beeinflussen. Abhängig von der Aktivität der Community, die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann, werden die Daten unterschiedlich häufig aktualisiert und gepflegt (Basiri et al. 2016, Loidl et al. 2014). So kann es dazu kommen, dass die Daten veraltet oder unvollständig sind oder naturschutz- und betretungsrechtliche Informationen vernachlässigt werden.
Vor diesem Hintergrund ist eine vollständige und aktuelle Datenbasis in OSM und insbesondere das Einpflegen betretungsrechtlicher Informationen wichtig. Schutzgebietsverwaltungen können hier selbst aktiv werden und zu einer korrekten Datengrundlage beitragen, hierfür ist lediglich eine kostenfreie Registrierung notwendig (Hennig 2017). Dadurch wiederum können Routenplanung und Navigation in Tourenportalen und einer Vielzahl weiterer Outdoor-Apps und Websites beeinflusst und indirekt gesteuert werden (Abb. 3). Außerdem werden bei manchen Anbietern wie etwa Komoot die Tags zur Einschränkung von Nutzungen in Form von Warnhinweisen direkt bei der Routenplanung an Nutzer weitergegeben (Abb. 4) (komoot GmbH 2021 b, Seidl 2021).
3.4 Geocaching
Geocaching ist eine GPS-gestützte Schnitzeljagd im Gelände, basierend auf geografischen Koordinaten. Bei der traditionellen Form des Geocachings wird mithilfe von Koordinaten ein versteckter Behälter (Geocache) gesucht. Der Fund wird in einem Logbuch, das sich im Geocache befindet, sowie im Internet auf einer der Geocaching-Plattformen eingetragen. Es gibt weitere Variationen des Geocachings, so kann ein Geocache beispielsweise aus mehreren Stationen bestehen oder es werden Rätsel in die Schatzsuche integriert (Gram-Hansen 2009, Hödl & Pröbstl-Haider 2017, Weber & Haug 2012).
Geocaching kann viele Menschen für die Natur begeistern und das Interesse für die Natur wecken (Grunewald 2019, Hödl & Pröbstl-Haider 2017). Schutzgebiete können eigene Geocaching-Angebote als Mittel der Umweltbildung oder zur Besucherlenkung verwenden, auch Events, wie etwa Müllsammelaktionen oder Biotoppflegemaßnahmen mit Geocachern, können dabei eingesetzt werden (Grunewald 2019). Andererseits kann es beim Geocaching auch zu Konflikten mit Naturschutzzielen kommen, beispielsweise durch die Nutzung von Habitaten als Verstecke (Bruthöhlen, Totholz, Gewässer und dergleichen), Trittschäden in sensiblen Bereichen oder durch die Störung von Tieren, insbesondere beim nächtlichen Geocaching (Grunewald 2019, Hennig et al. 2013, Hödl & Pröbstl-Haider 2017, Schneider & Jadczaková 2016, Weber & Haug 2012). Zur Minimierung von Konflikten können Schutzgebietsverwaltungen beispielsweise mit der Community in Kontakt treten und Regeln aufstellen (Schneider & Jadczaková 2016). Im Nationalpark Bayerischer Wald wurde zum Beispiel ein Regelwerk zum Geocaching aufgestellt und alle im Nationalpark gelegenen Geocaches daraufhin kontrolliert. So wurden mögliche Konflikte identifiziert und in Zusammenarbeit mit den Besitzern der betroffenen Geocaches behoben. Auf diese Weise wurden im Nationalpark Bayerischer Wald insgesamt 18 Geocaches entfernt. Um Geocacher für den Schutzstatus des Gebiets zu sensibilisieren, wurde in jedem Geocache eine „Cache-Note“ hinterlegt, die auf den Nationalpark und dessen Besonderheiten hinweist. Für das Verstecken und Veröffentlichen neuer Geocaches ist eine Genehmigung der Nationalparkverwaltung notwendig (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2021 a). Dabei ist die Zusammenarbeit der Nationalparkverwaltung mit den Reviewern, die neue Geocaches vor deren Veröffentlichung auf die Einhaltung von Regeln prüfen, von zentraler Bedeutung (Grunewald 2019). Insgesamt befinden sich im Nationalpark Bayerischer Wald 57 aktive Geocaches mit über 25.000 geloggten Aktionen (Stand Februar 2022 auf der Plattform geocaching.com).
3.5 Erstellung schutzgebietseigener Inhalte
Neben den bestehenden Plattformen bietet sich die Möglichkeit, für Schutzgebiete eigene digitale Angebote zu schaffen, um Besucher aktiv zu informieren und zu lenken. Dazu gehören unter anderem das Bereitstellen von Inhalten auf der Homepage des Schutzgebiets, zum Beispiel Vorschläge für naturverträgliche Touren, gezielte Informationen zu Ausflugszielen, Besonderheiten des Schutzgebietes und Verhaltensregeln (Leung et al. 2018). Durch das gezielte Anzeigen und Ausblenden von Inhalten zu bestimmten Zeiten, wodurch beispielsweise aktuelle Sperrungen berücksichtigt werden, können zusätzlich lenkende Effekte erzielt werden. Dieser Content kann wiederum in verschiedenen anderen Kanälen (etwa soziale Medien, Tourenportale) ausgespielt werden, um mehr Reichweite zu generieren. Außerdem bietet sich die Bereitstellung von Apps (etwa die Apps der Nationalparke Bayerischer Wald und Berchtesgaden) an, um Informationen zum Schutzgebiet, Tourenvorschläge und weitere Inhalte für den mobilen Gebrauch nutzbar zu machen (Hennig et al. 2013, Job et al. 2016 b, Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2021 b).
Dabei können verschiedene Arten von Medien genutzt werden. Neben der eigenen Homepage und eigenen Apps des Schutzgebiets bieten sich QR-Codes zur, auch mehrsprachigen, Kommunikation von Inhalten an. Mithilfe von eGuides können Inhalte spielerisch vermittelt werden (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2021 c), Podcasts können Einblicke in die Arbeit der Schutzgebietsverwaltung geben (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2021 d) und Anwendungen im Bereich Augmented Reality und Virtual Reality ermöglichen interaktive Naturerlebnisse (Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg 2021).
4 Digitales Besuchermonitoring
4.1 Einleitung
Unter Besuchermonitoring versteht man die laufende, systematische Erfassung und Auswertung von Daten über Besucher in Schutzgebieten (Clivaz et al. 2013, Muhar et al. 2002). So können beispielsweise Erkenntnisse über Aktivitäten, Bewegungsmuster, Besuchermengen, Besuchsmotive und ökonomische Effekte gewonnen werden. Das Besuchermonitoring liefert wichtige Datengrundlagen, um darauf aufbauend gezielte Maßnahmen für die Besucherlenkung durchzuführen (Job et al. 2016 a, Muhar et al. 2005, Porzelt 2019, Wernli & Rupf 2013). Dabei können verschiedene Erhebungsmethoden und Techniken angewendet werden, beispielsweise Befragungen und Zählungen von Besuchern, auch mithilfe automatisierter Zählgeräte (Muhar et al. 2005, Wernli & Rupf 2013). Zusätzlich kommen soziale Netzwerke und Tourenportale als Datenquelle für das Besuchermonitoring in Betracht (Ghermandi & Sinclair 2019, Teles da Mota & Pickering 2020).
In den letzten Jahren gab es einige Studien, die sich in diesem Zusammenhang mit verschiedenen Arten digitaler Medien beschäftigen (Teles da Mota & Pickering 2020). Dabei werden Daten von sozialen Medien (etwa Flickr, Instagram, Twitter) (Hausmann et al. 2018, Heikinheimo et al. 2017, Sinclair et al. 2020 a, b, Tenkanen et al. 2019, Walden-Schreiner et al. 2018), Tourenportalen (Campelo & Mendes 2016, Norman & Pickering 2017), OpenStreetMap (Hennig 2017), Geocaching (Job et al. 2016 b) und Bewertungsplattformen (Cong et al. 2014) genutzt. Die genutzten Daten unterscheiden sich wiederum hinsichtlich ihrer Art. So kann es sich um punktuelle Geodaten, Bildinhalte, zeitliche Daten, Texte oder Routendaten handeln (Teles da Mota & Pickering 2020). Häufig werden raumzeitliche Analysen durchgeführt, etwa zu Besucherbewegungen (Heikinheimo et al. 2017), der Popularität von Orten (Norman & Pickering 2017), Wegefrequentierung und illegalen Nutzungen (Campelo & Mendes 2016, Norman & Pickering 2017). Einige Studien vergleichen die verwendeten Online-Daten mit anderen Daten, Plattformen oder Untersuchungsgebieten (Campelo & Mendes 2016, Hausmann et al. 2018, Heikinheimo et al. 2017, Tenkanen et al. 2017, Walden-Schreiner et al. 2018), analysieren soziodemografische Merkmale der Nutzer (Hausmann et al. 2018, Heikinheimo et al. 2017, Sinclair et al. 2020 a) oder befassen sich mit dem Erholungswert des Schutzgebietsbesuches (Ghermandi 2018, Sinclair et al. 2020 b).
Im Folgenden werden zwei Ansätze vorgestellt, die sich mit dem Monitoring von Besuchern auf der Grundlage von Daten der Tourenportale Komoot und Bikemap beschäftigen. Bislang sind keine anderen Studien bekannt, in denen diese Plattformen als Datenquelle genutzt werden. In beiden Fällen ist das Untersuchungsgebiet der Nationalpark Bayerischer Wald.
4.2 Digitales Besuchermonitoring im Nationalpark Bayerischer Wald
4.2.1 Untersuchungsgebiet
Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 gegründet und 1997 erweitert und ist somit der älteste Nationalpark in Deutschland. Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich über eine Fläche von rund 24.250 ha und ist überwiegend (zu 97 %) bewaldet, weitere Lebensräume sind Hochmoore, Schachten (ehemalige Hochweiden), Gewässer und Blockfelder. Die höchste Erhebung bildet der Gipfel des Großen Rachel (1.452 m ü. NN.), weitere markante Berggipfel sind der Lusen (1.373 m ü. NN.) und der Große Falkenstein (1.315 m ü. NN.). Im Nationalpark steht Besuchern ein über 500 km langes markiertes Wegenetz zur Verfügung. Dieses Wegenetz enthält 351 km Wanderwege und 215 km markierte Radwege, außerdem werden im Winter 85 km Loipen gespurt (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2010 b). Darüber hinaus sind das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau und das Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal zentrale Anlaufstellen für Besucher (Kiener et al. 2008). Im Jahr 2019 wurden im Nationalpark Bayerischer Wald insgesamt 1,4 Mio. Besuche registriert (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2020).
4.2.2 Monitoring Komoot-Highlights
Komoot gehört zu den relevantesten und nutzerstärksten Tourenportalen im deutschsprachigen Raum. Ein zentraler Bestandteil der Komoot-Plattform sind Highlights, die von Nutzern erstellt werden und besondere Orte markieren sollen. In der Komoot-Karte sind Highlights in Form von roten Punkten erkennbar, die sich nach Aktivität unterscheiden. Dabei stehen die Aktivitäten Wandern, Laufen, Bergtour, Fahrrad, Mountainbike, Rennrad, Gravelbike und MTB-Enduro zur Verfügung. Nutzer können nicht nur neue Highlights erstellen, sondern auch bestehende Highlights bewerten sowie Fotos und Kommentare hinzufügen (komoot GmbH 2021 c).
Methoden
Die Komoot-Highlights stellen eine potenzielle Datenquelle für das Monitoring von Besuchern in Schutzgebieten dar. Die Wahl auf Komoot fiel aufgrund der Zugänglichkeit der Daten, da Highlights in der Komoot-Karte öffentlich sichtbar sind und durch manuelles Absuchen lokalisiert und gesammelt werden können. Auf diese Weise wurden alle im Nationalpark Bayerischer Wald befindlichen Highlights in einer Excel-Tabelle zusammengeführt, welche die Art der Aktivität, den Namen des Highlights, die Anzahl der Nutzer, die das jeweilige Highlight empfohlen oder besucht haben, sowie die URL enthält. Anhand der URL können die Koordinaten des Highlights extrahiert und zur Visualisierung der Standorte in ArcGIS genutzt werden. Eine erste Komplettaufnahme aller Highlights wurde am 26.05.2020 durchgeführt, eine zweite fand am 26.11.2020 statt.
Ergebnisse
Insgesamt wurden 637 Highlights im Nationalpark registriert. Im Folgenden werden die Aktivitäten in die Kategorien „Wandern“ (Wandern, Laufen, Bergtour) und „Radfahren“ (Mountainbike, Fahrrad, Rennrad, Gravelbike, MTB-Enduro) zusammengefasst. Wanderhighlights machen mit Abstand den größten Anteil aus (77 %) im Vergleich zu den Radfahrhighlights (23 %). Dabei werden alle 637 Highlights von 21.970 Nutzern besucht, was einer durchschnittlichen Frequentierung von 34,5 Nutzern pro Highlight entspricht. Generell sind Wanderhighlights im Durchschnitt deutlich stärker frequentiert (39,4 Nutzer pro Highlight) als Fahrradhighlights (18,3 Nutzer pro Highlight). Es befinden sich 282 Highlights (44 % aller Highlights) im Kerngebiet des Nationalparks. Das Kerngebiet macht rund 42 % der Nationalparkfläche aus, dort befinden sich Lebensräume störungssensibler Arten wie des Auerhuhns oder trittempfindliche Bereiche (Hochmoore). Dabei liegt die durchschnittliche Frequentierung der Highlights im Kerngebiet bei 39,7 Nutzern pro Highlight. Wanderhighlights im Kerngebiet werden im Vergleich zum gesamten Nationalpark stärker frequentiert, während Fahrradhighlights im Kerngebiet weniger häufig aufgesucht werden (Tab. 2).
Hinsichtlich der räumlichen Verteilung der Highlights sind starke Konzentrationen in bestimmten Bereichen des Nationalparks zu beobachten. Dies trifft vor allem auf die Umgebung der beliebten Berggipfel, Moorbereiche, Schachten, Urwaldgebiete und Gewässer zu. Erstellt man eine „Top 10“ der beliebtesten Highlights, zeigt sich eine deutliche Konzentration rund um den Ausflugsberg Lusen. Allein im direkten Einzugsbereich dieses Berggipfels befinden sich fünf der zehn beliebtesten Highlights. Auch die anderen bekannten Berggipfel Rachel und Falkenstein gehören zu den Top 10, genauso wie das Schwellhäusl (eine beliebte Ausfluggaststätte), der Rachelsee und die Martinsklause. Sämtliche Highlights der Top 10 sind ausschließlich der Aktivität Wandern zuzuordnen (Abb. 5). Bei den Fahrradhighlights sind zwar auch gewisse Konzentrationen zu beobachten, diese sind allerdings weniger stark ausgeprägt. So ergibt sich eine stärkere räumliche Verteilung der beliebtesten Punkte (Abb. 6).
Durch die Aufnahme der Highlights im Abstand von einem halben Jahr kann deren quantitative Entwicklung beobachtet werden. Während bei der Ersterhebung im Mai 2020 noch 337 Highlights registriert wurden, waren es im November 2020 bereits 637 Highlights. Dabei hat sich die Anzahl der Fahrradhighlights mehr als verdoppelt, während die Anzahl der Wanderhighlights einen Zuwachs von 84 % verzeichnen konnte.
4.2.3 Analyse Bikemap-Routen
Das Tourenportal Bikemap wurde 2014 gegründet und hat sich seither nach eigenen Angaben zur weltweit größten Fahrradroutensammlung entwickelt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Tourenportalen konzentriert sich Bikemap auf Radfahrer. Dabei steht auf dem Portal ausschließlich UGC zur Verfügung (Bikemap 2021). Durch die Nutzerstärke des Portals und den Fokus auf Radfahrer, die eine bislang kaum untersuchte Besuchergruppe im Nationalpark Bayerischer Wald darstellen, sind die Bikemap-Daten eine interessante Datenquelle.
Methoden
Die im und durch den Nationalpark Bayerischer Wald verlaufenden Routen wurden vom Betreiber des Portals gegen eine Gebühr bereitgestellt und in ArcGIS analysiert. Es standen alle Routen, die zum Zeitpunkt des 31.12.2020 online waren und im Nationalpark Bayerischer Wald verlaufen, als GPX-Dateien und eine Tabelle mit zusätzlichen Informationen (Titel, Länge, Erstellungsdatum und dergleichen) zur Verfügung. Personenbezogene Daten wurden aus Rücksicht auf den Datenschutz nicht erhoben. Inhalt der Analysen sind schwerpunktmäßig die räumliche Verteilung der Routen und die Identifikation von Nutzungsschwerpunkten anhand sogenannter Heatmaps. Diese zeigen die Frequentierung auf der Fläche des Nationalparks anhand eines Gitternetzes mit 1 ha großen Zellen. Da Radfahren im Nationalpark Bayerischer Wald nur auf markierten Radwegen und öffentlichen Straßen erlaubt ist, waren außerdem regelwidrige Nutzungen Bestandteil der Analysen.
Ergebnisse
Insgesamt verlaufen 818 Routen ganz oder teilweise durch den Nationalpark Bayerischer Wald, nach der Bereinigung fehlerhafter Daten stehen noch 623 Routen für weitere Analysen zur Verfügung. Die Gesamtanzahl der Routen ist über die Jahre stetig gestiegen: Die ersten Routen wurden im Jahr 2008 hochgeladen und den stärksten Zuwachs gab es im Jahr 2020 mit 136 neuen Routen. Betrachtet man die Gesamtanzahl der Routen im Jahresverlauf, so wurden die meisten Routen in den Sommermonaten hochgeladen, wobei der August der stärkste Monat ist (Abb. 7). Im Durchschnitt haben die Routen eine Länge von 65 km, der Median liegt bei 48 km.
Die erstellten Heatmaps zeigen die räumliche Verteilung der Routen sowie Nutzungsschwerpunkte. Dabei befindet sich der Großteil der sehr stark frequentierten Bereiche entlang markierter Radwege oder öffentlicher Straßen, lediglich zwei Bereiche (Lindaustraßl und Watzlik-Hain) verlaufen auf für Radfahrer gesperrten Wegen (Abb. 8).
Insgesamt sind von den 623 untersuchten Routen 380 (61 %) regelkonform, verlaufen also im Nationalpark komplett auf markierten Radwegen oder öffentlichen Straßen. Hingegen konnten 243 Routen (39 %) identifiziert werden, die mindestens teilweise von diesem für Radfahrer erlaubten Wegenetz abweichen und somit regelwidrig sind. Dabei sind regelwidrige Nutzungen in nahezu allen Bereichen des Nationalparks festzustellen, die Schwerpunkte befinden sich überwiegend im Falkenstein-Rachel-Gebiet, welches erst 1997 Nationalpark wurde und auch heute noch eine sehr hohe Forststraßendichte aufweist (Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald 2010 a).
5 Diskussion
Infolge der Digitalisierung der Erholungsnutzung entstehen Chancen und Herausforderungen für Schutzgebiete, die durch Maßnahmen des digitalen Besuchermanagements angegangen werden können. Dabei sind verschiedene Medienarten relevant, deren Bedeutung jedoch regional unterschiedlich ausfallen kann (Teles da Mota & Pickering 2020). Gleichzeitig sind diese Medien oft eng miteinander verzahnt. So ist beispielsweise OpenStreetMap die Datengrundlage zahlreicher Navigationsapps und Tourenportale, sodass mit der Bearbeitung der OSM-Datenbank zu einer korrekten Datengrundlage für eine verbesserte Routenplanung und Besucherlenkung beigetragen werden kann (Hennig 2017). Soziale Medien und Tourenportale eignen sich für die Verbreitung von Inhalten zum Schutzgebiet in Ergänzung zu eigenen Kanälen (etwa Homepage oder Apps), wobei die bereitgestellten Inhalte auch umweltbildende Aspekte beinhalten können (Hennig et al. 2013). Welche Möglichkeiten sich hierfür im Detail bieten, ist stark abhängig von den einzelnen Plattformen. Daher ist die Kommunikation mit Betreibern, aber auch mit Nutzern notwendig, wodurch die Bewusstseinsbildung für Schutzgebiete und Verhaltensregeln gefördert wird (Porzelt 2019, Watson et al. 2016, Winter et al. 2020). Neue Technologien und Weiterentwicklungen führen zu einer hohen Dynamik des gesamten Arbeitsbereiches. Dies verlangt seitens der Schutzgebietsverwaltungen eine hohe Flexibilität durch sich ständig verändernde Rahmenbedingungen (Leung et al. 2018).
Digitales Besuchermonitoring kann klassische Methoden des Besuchermonitorings ergänzen und somit die Entscheidung über Managementmaßnahmen unterstützen. Anhand von Online-Daten können etwa Schwachstellen der Besucherlenkung, zum Beispiel Wege mit besonders starker illegaler Nutzung, erkannt und entsprechende Maßnahmen, sowohl online (etwa Korrektur der Datengrundlage in OSM) als auch vor Ort (Optimierung der lenkenden Infrastruktur) ergriffen werden. Zudem zeichnen sich Trends und neue Formen der Erholungsnutzung häufig auf Online-Plattformen ab, sodass mit gezielter Kommunikation potenziellen Problemen entgegengesteuert werden kann (Porzelt 2019).
Dabei werden Daten von Tourenportalen vergleichsweise selten für das Monitoring von Besuchern verwendet, soziale Medien hingegen sind weitaus häufiger genutzte Datenquellen (Teles da Mota & Pickering 2020). Bislang sind keine anderen Studien bekannt, die Komoot-Highlights oder Bikemap-Routen in diesem Zusammenhang verwenden. Auf beiden Portalen ist ein starker Zuwachs der verfügbaren Inhalte zu verzeichnen. Insbesondere die Anzahl der Komoot-Highlights ist innerhalb eines halben Jahres deutlich gestiegen. Mögliche Gründe dafür liegen in den allgemein steigenden Besuchszahlen in Schutzgebieten (Dupke 2019), auch bedingt durch die Corona-Pandemie (Rutz et al. 2020), bei gleichzeitig starkem Wachstum der Nutzerzahlen auf Komoot (Hille 2022, Wermescher 2020 a). Dieser Zuwachs verdeutlicht das Potenzial zur Nutzung digitaler Medien für das Besuchermonitoring.
Im Vergleich zu herkömmlichen, häufig angewandten Methoden des Besuchermonitorings (vor allem Befragungen und Zählungen), bringt die Nutzung von Online-Daten einige Vorteile mit sich. So ist mit vergleichsweise geringem Aufwand ein hoher Stichprobenumfang möglich und durch den geografischen Bezug der Daten können Bewegungsmuster auf der gesamten Fläche erfasst werden, während Zählgeräte Besucherströme nur punktuell und standortabhängig ermitteln. Dies wiederum ermöglicht das Erkennen regelwidriger Nutzungen, aber auch von bevorzugten Routenvarianten (Ghermandi & Sinclair 2019, Muñoz et al. 2019, Teles da Mota & Pickering 2020, Wong et al. 2017).
Allerdings gibt es einige Nachteile sowie unbekannte Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Unter anderem können die Art des Contents (UGC, professioneller Content, Smart Content), die Art der Nutzer (Privatpersonen, Organisationen) und die Art der Routen (geplante oder aufgezeichnete Routen) die Qualität und Aussagekraft der Inhalte beeinflussen. Außerdem können sowohl menschliche als auch technische Faktoren zu Datenungenauigkeiten führen (Ghermandi & Sinclair 2019, Muñoz et al. 2019, Wong et al. 2017). Zudem ist von einem gewissen Bias hin zu bestimmten Nutzergruppen auszugehen. Meist sind die Nutzer von sozialen Netzwerken einer eher jüngeren, wohlhabenden und gut gebildeten Bevölkerungsgruppe zuzuordnen (Teles da Mota & Pickering 2020), wobei es auch Unterschiede je nach Plattform geben kann (Ghermandi & Sinclair 2019). Die Zugänglichkeit der Daten ist aufgrund fehlender APIs seitens der Plattformen häufig erschwert, so dass systematische und automatisierte Downloads nur selten möglich sind. Außerdem müssen Datenschutzbelange stets berücksichtigt werden (Ghermandi & Sinclair 2019, Muñoz et al. 2019, Teles da Mota & Pickering 2020).
Insgesamt handelt es sich bei der Nutzung von Online-Daten für das Besuchermonitoring um ein relativ neues Forschungsfeld. Weiterer Forschungsbedarf besteht noch hinsichtlich der Kalibrierung von Online-Daten mit vor Ort erhobenen Daten, um deren Aussagekraft besser bewerten zu können. Des Weiteren bedarf es automatisierter Methoden zum Umgang mit großen Datenmengen, was sowohl die Zugänglichkeit und den Download von Daten als auch deren Analyse betrifft (Muñoz et al. 2019, Teles da Mota & Pickering 2020, Wong et al. 2017).
6 Ausblick
Mit dem Voranschreiten der Digitalisierung gewinnen digitale Medien im Freizeit- und Outdoorbereich weiter an Bedeutung. Die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen sollten von Schutzgebietsverwaltungen als wichtige Handlungsfelder erkannt und erschlossen werden. Steigende Nutzerzahlen diverser Online-Plattformen und zahlreiche technische Entwicklungen verleihen dem gesamten Arbeitsfeld eine hohe Dynamik. Neben den genannten Praxisbeispielen sind zukünftig auch in weiteren Anwendungsbereichen des Besuchermanagements digitale Ansätze und Lösungen denkbar. Beispiele hierfür sind unter anderem die Vermittlung von Inhalten, auch mehrsprachig, über QR-Codes, Audio- oder GPS-gestützte Guides, Augmented Reality oder ein digitales Parkraummanagement. Letztlich sollte das Ziel sein, sowohl die Betreiber von Websites und Apps als auch deren Nutzer für den Schutz der Natur zu sensibilisieren, um eine hohe Mitwirkungsbereitschaft zu erreichen und damit nachhaltige Erfolge zu erzielen.
Literatur
Aus Umfangsgründen steht das ausführliche Literaturverzeichnis unter Webcode NuL2231 zur Verfügung.
Fazit für die Praxis
- Digitale Medien werden von vielen Nationalparkbesuchern für Aktivitäten im Schutzgebiet genutzt und deren Bedeutung wird in Zukunft weiter steigen.
- Für Schutzgebiete ist diese Entwicklung mit Herausforderungen verbunden, herkömmliche Methoden der Besucherlenkung verlieren an Bedeutung. Andererseits ergeben sich Chancen, mithilfe digitaler Medien Inhalte zu verbreiten und eine breite Nutzergruppe für Schutzgebiete und Verhaltensregeln zu sensibilisieren.
- Die relevanten Online-Angebote sind vielfältig, so gibt es Raum für viele verschiedene Maßnahmen von der Bearbeitung von Datenbanken über die Bereitstellung von Informationen zum Schutzgebiet bis hin zur konstruktiven Lösungsfindung gemeinsam mit den Betreibern von Online-Plattformen.
- Für das Besuchermonitoring können Online-Plattformen interessante Datenquellen darstellen. Im Vergleich zu klassischen Methoden bringen sie einige Vorteile, aber auch Schwächen mit sich. In dieser Hinsicht besteht noch großer Forschungsbedarf.
- Digitales Besuchermanagement in Schutzgebieten ist notwendig, um sich dieser Herausforderungen und Potenziale anzunehmen und neue Wege eines modernen und nachhaltigen Besuchermanagements zu beschreiten.

> Julia.Zink@npv-bw.bayern.de

> Florian.Porst@npv-bw.bayern.de

> Franz.Leibl@npv-bw.bayern.de
> marco.heurich@npv-bw.bayern.de
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