Ein Harmonisierungsvorschlag
Herkunfts-, Vorkommens- und Ursprungsgebietskarten von Pflanzen in Deutschland
Für Vermehrungsgut von Bäumen, Sträuchern oder Kräutern gibt es in Deutschland unterschiedliche Herkunfts-, Vorkommens- und Ursprungsgebiete, die untereinander wenig kompatibel sind. Hinzu kommt, dass (i) alle drei Gliederungen standortskundlich-bodenkundliche Eigenschaften wenig berücksichtigen und (ii) nur schwer an eine Klimaänderung anzupassen sind und dass (iii) standortskundliche Informationen in Deutschland nicht mit Herkünften anderer europäischer Länder vergleichend darstellbar sind. Wichtige Hindernisse für eine Harmonisierung sind die unterschiedlichen Ziele der beiden maßgeblichen Gesetze, das Forstvermehrungsgutgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz, sowie die Verwendung von regionalen und damit kategorialen Gliederungseinheiten. Letztere erschweren eine Anpassung über metrische Klimadaten. Ferner fehlen interpretierte bodenkundliche Daten auf mittlerer Maßstabsebene, die eine einheitliche Darstellung Mittel- und Südeuropas ermöglichen. Im vorgestellten Ansatz wird versucht, sowohl die Standortangepasstheit von Herkünften als auch den Aspekt der biologischen Vielfalt methodisch zu integrieren. Einerseits wird auf anschauliche regionale Gliederungen verzichtet zugunsten von inhaltlich durch wenige Kriterien ausgeschiedene Gliederungseinheiten, die aber auf einer Karte wenig arrondierte Einheiten bilden. Andererseits wird durch Fallunterscheidungen mithilfe von Artengruppen und einem „Distanztool“ dem Prinzip der kürzesten Distanz („isolation by distance“) und der Ausscheidung potenzieller Ersatzherkünfte Rechnung getragen. Dies bietet die Möglichkeit, für Bäume, Sträucher und Kräuter eine einheitliche Herkunftsgrundlage zu verwenden.
Eingereicht am 25.06.2025, akzeptiert am 08.02.2026.
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10.1399/NuL.224560 1 Einleitung In Deutschland gibt es für Bäume, Sträucher, Kräuter und Gräser unterschiedliche Herkunfts-, Vorkommens- und Ursprungsgebiete. Auch alle nachfolgenden Regelungen zu Qualitätsabstufung, Lagerung, Anzucht, Weitergabe, Zertifizierung und Kontrolle des Vermehrungsguts sind zwischen den drei Linien „Bäume“, „Gehölze“ sowie „Kräuter und Gräser“ unterschiedlich. Trotz dieser Differenzierung erfüllen die bestehenden Gliederungen ihre vorgegebenen Ziele nur zum Teil. Sie berücksichtigen kaum den Standort, also Boden und Klima, und werden dadurch auch einer Klassifizierung der biologischen Vielfalt, dem vorrangigen Ziel von Vorkommens- und Ursprungskarten, nur unzureichend gerecht. Für die Wissenschaft, vor allem...


