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Schmitz’ Sternstunden

Verbündeter

In meiner Zeit als Praktikantin arbeite ich bei einem Büro, welches auch für das Monitoring von Truppenübungsplätzen tätig ist. Diese Gebiete stellen oft den Sekundärlebensraum für Kreuzkröten dar. Die geschützte Amphibienart benötigt zur Fortpflanzung sehr flache, stark besonnte, warme, temporäre Kleinstgewässer. Heute sind solche Habitate oft nur in Sand- oder Kiesgruben, oder eben auch auf Truppenübungsplätzen zu finden. Durch die Fahrtätigkeiten der Panzer wird der darunterliegende Boden verdichtet, bei Regen können sich die Minitümpel füllen und stehen den Kreuzkröten als Laichplatz zur Verfügung.

von Franziska Schmitz erschienen am 23.02.2026
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Peter, mit dem ich am heutigen Tag unterwegs bin, hat im Büro den Ruf, ein schwieriger Einzelgänger und Sonderling zu sein. Es ist ein sehr heißer und sonniger Tag, daher trägt Peter Schlappen. In diesem Gelände ohne festes Schuhwerk unterwegs zu sein, ist sehr leichtsinnig, weshalb sein Ruf als Sonderling bei mir erst einmal gefestigt ist. Ein Gespräch auf der Anfahrt zu den Flächen beginnt schleppend, ich versuche, ihn über sein großes Wissen zu Amphibien auszufragen. Er antwortet kurz und brummt sonst vor sich hin.

Trotzdem verläuft der Tag gut, wir kartieren die relevanten Flächen, ich lerne viel für meine spätere Tätigkeit als Baubegleitung, sehe viele Kreuzkröten und wir arbeiten gut zusammen.

Die Wege in den Truppenübungsplätzen sind von den Ketten der Panzer komplett zerfahren. Peter hat einen großen Geländewagen. Er ist stolz auf sein Auto und prahlt gerne damit, wie gut sich ein solches Auto für die Arbeit im Gelände eignet. Auch am Abend zuvor in der Pension, in der wir für die Geländearbeit untergebracht sind, hat er vor den Kollegen damit angegeben.

Als wir mit unserer Arbeit fertig sind und zurückfahren wollen, passiert es: Der außerordentlich geeignete Geländewagen bleibt stecken. Wir kommen weder vor noch zurück. Ich bin gespannt, wie Peter jetzt wohl reagiert. Ich frage: „Kann ich dir helfen?“ „Nein“, antwortet er höflich. „Ich mach das schon.“ Ich bleibe also brav sitzen und beobachte, wie er aus dem Auto springt (in seinen Schlappen), Fußmatten unter die Reifen legt, mit einem Klappspaten rumbuddelt, ins Auto springt, Gas gibt, und tatsächlich ist der Wagen nach einiger Zeit frei. Ich bin beeindruckt, wie ruhig er geblieben ist und sich selbst geholfen hat.

Auf Peters Gesicht ist dennoch Erleichterung zu sehen. Er grinst mich an, auf seiner Stirn haben sich ein paar Schweißtropfen gebildet. Wir fahren nicht den üblichen Weg zurück. Plötzlich hält Peter an einer Eisdiele und spendiert mir ein großes Eis. Als wir an der Pension ankommen, lehnt er sich kurz zu mir rüber: „Das kleine Malheur könnte doch unter uns bleiben, was meinst du?“ Da reißt schon Susi, die drahtige Biologin, meine Tür auf: „Naaaa, irgendwas Besonderes erlebt?“ „Nein, eigentlich nicht, und bei euch so?“, sage ich zu ihr, und sehe, wie Peter, der Sonderling und neue Verbündete, mir zuzwinkert.

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