Artenvielfalt in Vogelnistkästen
online - keine Angaben - Deutschland
Referent:inThomas OswaldVogelnester gelten mit ihrem einzigartigen, verdichteten Substratgemisch aus verschiedensten Pflanzenmaterialien, Kotresten, Federn, Blutkielen und organischen Abfällen als Lebensgrundlage für viele verschiedene Wirbellosengruppen. Besonders häufig vertreten ist die Gilde der saprophage Arten, die sich von totem organischen Material ernähren und den so vermeintlichen „Abfall“ in den Nestern als hochwertige Nahrung für ihre Larven sowie Adulte nutzen. Neben dem Substrat dienen auch die regelmäßig zum Nest zurückkehrenden Vögel als Nahrungs- und Lebensgrundlage. Während einige Parasiten dauerhaft auf ihrem Wirt leben, nutzen andere Arten den Vogel rein als Nahrungsquelle und das Substrat als Kinder- und Wohnstube. Während der kalten Wintermonate finden aufgrund der baulichen Geschlossenheit der Kästen und der dadurch begünstigten thermischen Attraktivität neben den dauerhaft nestbewohnenden Arten (= nidikolen Arten) auch andere Arten temporären Unterschlupf.Vogelnistkästen sind somit kleine, aber überaus komplexe Mikrohabitate, die nicht nur im Winter als wichtiges Element der Landschaft gelten, sondern das ganze Jahr über als Zentren trophischer, symbiotischer und multiparasitischer Beziehungen fungieren. Darüber hinaus wirken sie als Drehscheiben phoretischer Interaktion und Verbreitung, über die neue Lebensräume erschlossen oder Wirtskontakte hergestellt werden.