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Schmitz’ Sternstunden

Von den Toten auferstanden

Ein Projekt für ein Windrad führt mich in eine entfernte Ecke Deutschlands in ein Waldgebiet. Mein Routenplaner zeigt mir eine Fahrtzeit von fast drei Stunden an und im Luftbild erkenne ich, dass es sich um eine recht interessante Gegend handeln muss. Der erste Vor-Ort-Termin ist für 14 Uhr an einem Donnerstag angesetzt. Ich entscheide, mir einen halben freien Tag zu gönnen und reise bereits am frühen Morgen an. Mit Brotzeit, Wasser und Wanderschuhen möchte ich die Zeit nutzen, die Umgebung um das Projekt kennenzulernen und etwas zu wandern.

von Franziska Schmitz erschienen am 28.08.2025
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Mein Auto stelle ich an dem Platz ab, den mir die Projektleitung vorab gesendet hat. Noch haben die Bautätigkeiten nicht begonnen, lediglich ist eine Fläche gerodet und ein Bauzaun sowie ein Reptilienzaun aufgestellt worden.

Der Tag ist wunderschön, genauso wie die Route, die ich mir ausgesucht habe. Den gesamten Vormittag begegne ich keiner Menschenseele. Nach etwa eineinhalb Stunden beschließe ich, zum Treffpunkt zurückzukehren. Ich wähle einen Weg, den man nicht wirklich als Weg bezeichnen kann, und muss mich teilweise durch dichtes Gebüsch schlagen. Hier scheint es die Tage doch mal längere Zeit geregnet zu haben, denn der Boden ist schlammig und aufgewühlt. „Wildschweine?“, denke ich mir, als ich auch schon den speziellen Duft der Tiere in der Nase habe.

Vor Wildschweinen habe ich Respekt, um nicht sogar zu sagen Angst bis zur Panik. Da sehe ich in einer Schlammpfütze ein dickes, aufgedunsenes Etwas in der Sonne liegen.

Es ist ein Wildschwein, es muss mich sicherlich gehört oder gerochen haben, ich war nicht gerade leise bei meinem Marsch durchs Geäst. Aber es bewegt sich nicht. Regungslos liegt es da. „Sicherlich ist es tot“, denke ich mir. Ich schleiche mich näher hin und betrachte das Tier. Es ist eindrucksvoll. Als ich mich noch etwas näher wage – keine Ahnung, warum ich mich nicht zurückhalten kann und nicht die Flucht ergreife –, bemerke ich nicht den Ast, auf den ich trete und der sich unter dem Körper des Tieres befindet. Ein lautes Knacken ertönt, gefolgt von einem noch lauteren Grunzen.

Das Wildschwein ist keineswegs tot. Es springt auf. Keine zwei Meter trennen uns. Starren uns bewegungslos an. Schließlich stoßen wir beide einen Schrei aus – ja, auch das Schwein schreit –, und rennen in die jeweils entgegengesetzte Richtung davon.

Mein Herz rast als ich nach einer gefühlten Ewigkeit verschwitzt, nervös, zitternd mein Auto erreiche. Ich reiße die Tür auf. Springe rein, verriegele die Tür, als ob ich fürchte, das Schwein folgt mir und reißt dieselbige auf! Nur langsam komme ich zur Ruhe.

Zur vereinbarten Zeit sind bald Projektleiter und Polier der Baufirma an Ort und Stelle. Wir begehen die Baustelle und sprechen die momentan wichtigsten Punkte an, als der Projektleiter sagt: „Ein Problem ist die hohe Anzahl an Wildschweinen in der Gegend, wir haben daher die Flächen mit Bauzaun gesichert, da die Reptilienschutzzäune immer wieder umgeschmissen wurden. Von Spaziergängen in der Gegend würde ich also eher abraten.“ Kein Thema, denke ich, denn nach meinem Erlebnis habe ich keine weiteren Ausflüge geplant.

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