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100 Jahre Deutscher Naturschutztag

Demokratie und Naturschutz gehören zusammen

Demokratie stirbt nicht plötzlich, sondern langsam: In einer flammenden Rede warb Hubert Weiger beim Deutschen Naturschutztag (DNT 2026) in Berlin dafür, entschlossen den Anfängen zu wehren und sich für die Demokratie stark zu machen. Rechtspopulismus und Rechtsextremismus ebenso wie die Pläne der Bundesregierung, mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz und weiteren Schritten die Beteiligungs- und Klagerechte abzuschaffen und Umweltprüfungen zu beschneiden, erforderten massiven Widerspruch. 100 Jahre nach dem ersten Deutschen Naturschutztag mahnte Hubert Weiger, die Geschichte des Naturschutzes im Nationalsozialismus nicht zu vergessen. Naturschutz und Demokratie gehörten zusammen, und je demokratischer Planungsprozesse seien, umso schneller würden die Planungen anschließend umgesetzt.

von Eckhard Jedicke erschienen am 31.03.2026
© privat
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Mut und Entsetzen

Es herrschten widersprüchliche Gefühle unter den mehr als 1.600 Teilnehmenden, die trotz der Rekordgröße für viele den Charakter eines Familientreffens vermittelten. Einerseits herrschten Ungläubigkeit und Entsetzen über das Rollback in der Natur- und Umweltpolitik, wo Populismus eine stärkere Rolle spielt als Evidenz. Aber viel wichtiger wirkte die Motivation untereinander, das Wir-Gefühl: Wir sind nicht allein mit unserem Wissen und Engagement, sondern Teil einer großen Gemeinschaft. Engagierte in Verwaltungen, Verbänden – die mehr Mitglieder haben als die politischen Parteien –, Planungsbüros, leider nur wenige in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik: Sie alle diskutierten sehr lebendig miteinander. Das machte Mut. Und doch spielte der DNT 2026 sein volles Potenzial nicht aus. In der kurzweilig durch Eckart von Hirschhausen moderierten Eröffnung mit vielen wichtigen Impulsen stellte Uta Eser, Mitglied im Ethikrat der Bundesregierung, mit Recht das Motto des DNT infrage: „Gemeinsam für die Natur – oder jeder für sich?“ sei keine Alternative, sondern es gehe immer um beides, um Partnerschaften und Aktivwerden im eigenen Wirkkreis. Und das weist auf ein Manko des DNT hin: Die grundsätzliche Diskussion der Naturschutzstrategien, die sozialökologische Dimension, ethische Grundpfeiler, Koalitionen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, sie blitzen nur hier und da einmal auf. Stattdessen blieb es in vielen Foren eher bei einer etwas langatmigen Diskussion im Klein-Klein.

Visionen kamen zu kurz

Enttäuschend zum Beispiel waren die beiden Beteiligungsforen zur Wiederherstellungs-Verordnung. Notgedrungen aufgrund der kurzen Frist für den Nationalen Wiederherstellungsplan am 1. September 2026 haben die Bund-Länder-Behörden wenig Zeit für Grundsatzdiskussionen. Umso wertvoller wäre es gewesen, die versammelte Kompetenz beim DNT dafür zu nutzen, visionär zu debattieren: Wie definieren wir die Wiederherstellung – geht es wirklich um historische Landschaftszustände. Das postuliert zumindest die sich formierende Lobby für die Abschaffung der W-VO, angeführt von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände und den CDU-regierten Bundesländern. Oder formulieren wir Ziele, die stärker als bisher auf funktionsfähige Ökosysteme abzielen, die die unabwendbaren Folgen der Klimakrise einbeziehen und maximalen gesellschaftlichen Benefit haben? Und die auch die Wasser- und Bodenressourcen und den landgebundenen Klimaschutz einbeziehen? Wie können wir die öffentliche Debatte umsteuern in Richtung auf eine volkswirtschaftliche Betrachtung, die nicht ausblendet, dass sich jeder in die natürlichen Ressourcen investierte Euro achtfach zurückzahlt? Hamburg 2028: Der nächste DNT sollte visionärer und politischer werden. Die Demokratie und der Naturschutz brauchen das.

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