Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Schmitz’ Sternstunden

Sehschule Schmitz

„Franziska, wieso findest du eigentlich immer so viele Zauneidechsen?“ Mit dieser Frage begrüßt mich eines Tages meine Lieblingskollegin, mit der ich lange in einem Umweltbüro arbeite.

von Franziska Schmitz erschienen am 20.03.2026
Artikel teilen:

„Guten Morgen erst mal, liebe Christina, was ist denn los?“

„Ach, Dieter hat gemeint, er kann das gar nicht glauben, dass du letzte Woche, als ich nicht da war, neun Zauneidechsen auf meinen Flächen gefunden hast, und ich insgesamt bis jetzt erst zwei Stück umgesetzt habe.“

Stimmt, unser Chef Dieter hatte mich, nachdem ich letzte Woche die Vertretung für Christina übernommen hatte, angesprochen, warum wir so unterschiedliche Fangerfolge auf derselben Fläche haben. Christina ist ursprünglich im Büro für die Erstellung der Planunterlagen zuständig, obwohl auch sie eine Ausbildung zur Umweltbaubegleitung hat. Im letzten Jahr bat sie darum, ebenfalls eine Baustelle zum Betreuen zu bekommen. Da Dieter möchte, dass sich jeder seiner Angestellten bei der Arbeit wohlfühlt, kam er dem Wunsch natürlich nach.

Die Vergrämung der Zauneidechsen auf Christinas Baustelle läuft seit einigen Wochen, aber immer wieder kommt sie frustriert von den Außenterminen zurück, ohne auch nur ein Tier gesichtet zu haben. Nun musste sie letzte Woche aus privaten Gründen zu ihrer Familie in den Norden fahren. Da die Baustelle in drei Wochen starten soll und herrlichstes Eidechsenfangwetter vorausgesagt war, bat mich Dieter, zwei Termine zum Absammeln einzuschieben, zumal Christinas Baustelle auf meiner Route lag. An einem Tag konnte ich drei, zwei Tage später sogar sechs Tiere einfangen und in sicherer Umgebung wieder freilassen. Dabei waren die vergangenen Abfangtermine von Christina wettermäßig nicht schlecht gewählt und auch von der Uhrzeit war sie ähnlich wie ich vor Ort.

„Ach, die verstecken sich halt vor dir“, versuchte ich einen Witz zu machen. Aber Christina ist geknickt. Bei den Plänen macht ihr niemand etwas vor, aber nun hat sie das Gefühl, zu versagen. „Kannst du morgen gemeinsam mit mir rausfahren?“, fleht sie mich an.

Also fahren wir am nächsten Tag gemeinsam ins Gebiet. Nach einer halben Stunde habe ich drei Tiere gesehen und eines gefangen und umgesetzt. „Wie machst du das nur?“, fragt sie mich in einer Pause. Ich weiß auch nicht, was ich anders mache als sie. Deshalb schlage ich ihr vor, einfach einmal vor mir den Bahndamm außerhalb der Baueinrichtungsfläche entlangzulaufen, auf dem es vor Eidechsen nur so wimmelt. Aber Christina sieht nichts. Wir bleiben stehen, ich deute direkt auf ein Tier, sie kneift die Augen zusammen und meint schließlich: „Oh, das habe ich wirklich nicht gesehen.“ Wir „üben“ weiter, Eidechsen zu finden, und nach einiger Zeit hat sie endlich den Blick dafür.

Ab da laufen ihre Termine wesentlich besser, es scheint, als musste nur ihr Blick geschult werden, und ich trage von nun an den Beinamen „Sehschule Schmitz“.

0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren